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1 (1881)
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DER BÜSSENDE WOLF. 575

DER BÜSSENDE WOLF.

MITGETHEILT VON WILH. GRIMM.Gesellsehafter. 1818. 85. Blatt. Freitag, den 29. Mai. S. 339.

-H/insmals sprach der Wolf zu seinem Sohn:Liebes Kind,mir nagt bitteres Leid am Herzen und ich dulde einen heim-lichen Kummer, schwerer als der Tod selbst. Ich habe durchUnrecht, das ich armen Leuten zugefügt, grosse Sünden aufmich geladen und meiner Seele damit die ewige Verdammniserkauft. Ich fürchte, sie ist auf immerdar in den Abgrundversenkt, so dass ich sie durch keine Busse erlösen kann.Dennoch möchte ich die grosse Reue, die ich empfinde, durchgute Werke an den Tag legen. Sieh, ich will meinen Leibnicht schonen, ich will ihn also kasteien und quälen, dass Gottschauen soll, wie treu und ernstlich meine Reue ist." DerSohn antwortete:Vater, du redest gar wohl und verständig;auch mir ist wie dir schwer zu Muth, auch mich reuen meineSünden, und da du älter bist als ich, so ziemt es sich, denRath von dir anzuhören."Wohlan", sprach der Vater,wirwollen Busse thun und alles Fleisches uns enthalten." »Ichhöre mit Freuden, was deine Zunge verkündigt", antwortete derSohn,dein Geist wendet sich zu dem Herrn." Nachdemdieser Entschluss gefasst war, begannen sie ihre Busse. Alsder Mittag und die Essenszeit heranrückte, giengen sie hinausauf eine Wiese; da stand bei einem Wasser ruhig ein Esel undfrass. Als der alte Wolf ihn gewahr ward, zeigte er ihn seinemSohn und sprach:Sieh an, mein Sohn, uns will der Herrdarum noch nicht zu Grund gehen lassen, weil wir das Fleischabgesagt haben; diesen Krebs da hat er mildiglich aus demWasser ans Land uns zugesendet. Einen so schönen fettenKrebs habe ich noch niemals gesehen! Wie gnädig ist derHerr, dass er so früh schon uns beräth! Lauf geschwind nachdem Wasser und schneid' ihm den Weg dahin ab, sonst gehter wieder zurück; ich will ihn von der Landseite einschliessen."Der Sohn befolgte des Vaters Geheiss: die Unglücksstunde des