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1 (1881)
Seite
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MÜLLERS NORDISCHE SAGENBIBLIOTHEK. 567

Naturkraft und kühner Tapferkeit lässt, erscheint sie manchmalentsetzlich und grausam. An der Tracht erkannte man schonValnaliots Gesinnung; sah man ihn in kurzem Kleide mit einerAxt mit eisernem Schaft, so war er mordlustig; trug er einbraunes Kleid und den Streithammer, so war er guter Laune.Es ist nie jene kalte, überlegte asiatische Grausamkeit, es istdas wilde, tobende Blut: die Berserkerwuth. Unter allenGesetzen der Sitte das mächtigste war die Blutrache; auskleinem Anlasse hervorspringend, konnte sie den Untergangganzer Geschlechter erzeugen. Sie konnte lange Jahre ruhen,aber keine Zeit sie dämpfen, und ein friedliches, stilles Lebenscheint, wo sie herrscht, kaum möglich zu sein. Die Mutterselbst schlägt ihren Sohn ins Angesicht und verbietet ihm, anseines erschlagenen Bruders Stelle zu sitzen, bis er ihn gerächthabe. Es ist rohe Ansicht, blosse Mordsucht darin zu erkennen;sie beruht in der Idee der Familienliebe, als des Grundsteinsder Wohlfahrt, aber sie erscheint in ihrer Ausartung, Verderbenauf Verderben häufend, fürchterlich. So zeigen sich neben harterGrausamkeit die rührendsten Züge edler und treuer Herzen.Als Flose, um sich an Nials Söhnen zu rächen, den Hof desAlten mit hundert Männern umringte und Feuer anlegte, er-hielten erst Weiber, Kinder und Gesinde Erlaubnis wegzu-gehen. Dann trat Flose an die Thür und bot dem alten Malan, mit seinem Weibe herauszugehen. Nial antwortete:Nichtwill ich hinausgehen, denn ich bin ein alter Mann und nichtfähig, meine Söhne zu rächen, und mit Scham will ich nichtleben." Da sprach Flose zur Bergthora:Geh du heraus,Hausfrau, denn ich wollte auf keine Weise, dass du verbranntest."Bergthora antwortete:Ich ward jung dem Nial gegeben, dahabe ich ihm gelobt, dass eins sollte ergehen über uns beide."Sie sagte darauf zu Kares (ihres Schwiegersohnes) kleinemSohne:Dich soll man hinausbringen, du sollst nicht ver-brennen."Du hast mir gelobt, Grossmutter", sagte der Knabe,dass wir nie getrennt werden sollten, so lange ich bei dir seinwollte, und mich dünkt weit besser, mit dir und Nial zu sterben,als nach euch zu leben." Darauf giengen die zwei Alten zuihrem Lager, legten sich nieder und das Kind zwischen sie,