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556 ZEITGESCHICHTLICHES.

KUNSTWERKE.

Rheinisoher Merkur. No. 340. Mittwoch, den 6. Dezember 1815.

Cassel, im November.

Unsere Kunstwerke sind nun angekommen und mit all-gemeiner Freude empfangen, selbst von solchen, die nur dasZeichen des besiegten Feindes darin erblicken und in diesemSinne einige Wagen vor dem Thor mit Bändern geschmückthaben, damit sie gleichsam im Triumphe hereingeführt würden.Alles ist wohlerhalten, wird nun ausgepackt und aufgestellt,und es soll dann jeder freien Zutritt haben. Die schönen altenBildsäulen sind zurückgeliefert, auch der Zahl nach der grössteTheil der Bildergallerie, allein hier werden berühmte Stückevom ersten Rang: die vier Tageszeiten von Claude Lorraine,eine heilige Familie von da Vinci, die wunderherrlicheCharitas, die Kuh von Potter u. a. vermisst. Diese Gemäldehatte die Josephine in Malmaison aufhängen lassen, wo sieCasseler Künstler mit traurigem Herzen oft genug gesehen haben.Niemand dachte an die Möglichkeit, dass sie könnten zurück-gehalten werden, dennoch haben es, wie es allgemein heisstund auch öffentliche Blätter von Paris aus gemeldet, die Russengethan. Ein Recht ist hier auf keine Weise denkbar, die Ge-mälde sind anerkanntes Eigenthum des Kurfürsten, jeder Kunst-freund weiss, dass sie der Gallerie zu Cassel gehören, sie sinddaselbst vielfach kopirt, selbst durch Kupferstiche verbreitetworden. Die Russen sollen eingewendet haben, dass der KaiserAlexander dem Prinzen Eugen die Erbschaft seiner Mutter zu-gesichert. Das ist wohl in dem Charakter dieses grossmüthigenFürsten, aber es ist doch ganz gewiss nichts mehr von Gross-muth entfernt, als sie auf Kosten eines Dritten zu üben. Zu-dem gab es einen schönen Ausweg, den nämlich, da dem PrinzenEugen die Bilder feil waren, sie russischer Seits zu kaufenund dann ihrem Eigenthümer zurückzugeben. Wie öffentlicheBlätter gleichfalls versichern, ist dieser Weg aber nur halb ein-