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1 (1881)
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GÖTTINGER REDE ÜBER GESCHICHTE UND POESIE.

[2 halbe Bogen A. B, d. h. 8 Quartseiten fehlen.]

Ach scheine von meinem Ziele mich zu entfernen, indemich mich diesen Betrachtungen über die Geschichte und ihrWesen überlasse, allein ich befürchte weniger diesen Vorwurfzu verdienen, als den anderen, Sie, geehrteste Herren, zu er-müden, wenn ich länger dabei verweilen wollte. Die Poesieist mit der Geschichte verwandt, und wenn sie sich gleich indem Fortgange der Bildung davon getrennt hat und in derThat trennen musste, so hat diese ursprüngliche Verwandtschaftsie oft wieder zusammengeführt und genähert, ja ein inneresBedürfnis eine Vermischung beider nothwendig gemacht. Habenwir es doch selbst erlebt, dass ein grosser Dichter unserer Zeitdie Wahrheit, mit der er sein Leben beschreiben wollte, nichtohne Beimischung der Poesie erfassen konnte. Nachde rn_eitugewisses, sicher schreitendes Naturgefühl, das ein Volk in derfrischen Jugendzeit zu begleiten pflegt, untergegangen war, istzum Ersätze die kritische Kunst erwacht, die auf einem andern,wenn auch mühsamem Wege zu der Wahrheit gelangt, welche

heutzutage die Grundlage der Geschichte ausmachte/Verschmä-hen wir darum die Wahrheit jener Zeiten nicht, denn das, wasdie Geschichtsschreibung unserer Zeit belebt und ihren wahrenErfolg sichert, ist doch zuletzt eine lebendige Anschauung, einepoetische Kraft, die angeboren sein muss und durch die mühe-vollste Arbeit und Anstrengung nicht kann erworben werden.

Die Poesie ist das erste und einfachste und zugleich das/^Mgrossartigste Mittel, welches dem Menschen verliehen wurde,S^Y^fum ein hohes Gefühl, eine höhere Erkenntnis .a uszudrücken.Sie ist .die Schatzkammer, in welche ein Volk seinen geistigenErwerb niederzulegen und zu sammeln pflegt. Sie ist mehr

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