Druckschrift 
1 (1881)
Seite
377
Einzelbild herunterladen
 

KINDERWESEN UND KINDERSITTEN. 377

neinte. Walter von <$er Vogelweide (Maness. I, 140b) 1 )[66, 5 12] sagt:

mich hat ein ha!m gomachet fro,

er giht, ich sule gnade vinden.

ich maz daz selbe kleine stro,

als ich hie vor gesach bi den landen.

höret unde merket, ob siz denne tuo;

sine tuot, si tuot! sine tuot, si tuot! sine tuot, si tuot!

swie dike ich also maz, so was ie daz ende guot;

da höret ouch geloube zuo.

Und der Misenere (Alt Meister-Gesangbuch S. 43):

weiz aber ein man, ob ich noch rechte milte muge irwecken?

ich tuon, ich entuon! ich tuon, ich entuon! (tröstet baz ir werden recken!)

ich tuon, ich entuon! ich mezze ein halm zuo lange -):

waz gesehen ist, daz weiz man wol, was ez offenbare gemeine,

waz noch gesehen sol, wer weiz daz? nieman wenne Got alters eine.

Vielleicht hangt damit zusammen das noch heute üblicheKurz-oder-lang-ziehen, wer das kurze Stück bekommt,hat verloren. (Daher sich auch die Redensart: den kürzernziehen erklärt.) Gewöhnlich werden zwei ungleiche Stückchenvon einem Halm dazu von den Kindern genommen, weshalbman auch wohl bloss sagt: den Halm ziehen, wie schonunter den Spielen bei Fischart Gargantua S. 169das Hälmleinziehen". Einen Kranz knüpfen. Eins hält eine Anzahl,meist fünf, Stiele oder Binsen in der Mitte zusammen, dasandere verknüpft sie oben und unten nach Gutdünken; zeigtsich zuletzt, dass gerade ein Kranz daraus geworden, so trifftein, was man sich in den Sinn genommen hat. Bekannt istdas Zupfen der weissen Sternblume, es werden fünfBlätter nach einander ausgezogen, dabei folgende Worte ge-sprochen:du liebst mich, von Herzen, mit Schmerzen, ein

1 ) Dieselbe Strophe kommt auch jedoch nur sechszeilig und mit einigenAbweichungen S. 122b vor, doch hat sie gerade die entscheidenden Wortesie thut's nicht! sie thnt's!" richtiger gestellt, und darnach ist die Zeile hier,die mit der Bejahung anfieng und der Verneinung schloss, verbessert.

2 ) Der Dichter sagt: ich beschäftige mich zu lange mit der vorgeblichenArbeit. Nur Gott allein weiss die Zukunft.