KINDERWESEN UND KINDERSITTEN. 375
und in Püterichs Ehrenbrief heisst es von Montevillas Grab-stein Str. 134:
Dem heim ob ein mörkhaz (Mohrkatze) sas,
dargegen ain sy zugen den khazen-knebl,
samb thun zu hof die pueben
vill dikh das spill, das ainer feilt auf dem gebl.
Mancherlei Spiele giebt's mit Pflanzen und Blumen.Aus den Stielen der gelben Cichorienblüthe werden Ringe undKetten gemacht, oder sie werden bis zur Hälfte vierfach ge-spalten und in einen Brunnen gelegt, worauf sich das Ge-spaltene zusammenzieht und das Ansehen einer Hyacinthen-glocke bekommt. — Die gelben Butterblumen hält man ansKinn, und der gelbe Widerschein bedeutet, dass man gernButter isst. — Die Näpfchen der Eicheln mit den Stielendaran werden nach den verschiedenen Formen abgetheilt undals Soldaten aufgestellt. Überhaupt aus Stielen und Stengelnmachen sich Kinder ihre Waffen, Spiesse und Pfeile und schonbei Notker 63, 8 heisst es von ihnen: diu uzer stengelen iroscoz machont". — Aus der abgezogenen Weidenrinde schneidensich die Knaben Pfeifen. Um sie unverletzt vom Holz zulösen, klopfen sie den Zweig auf den Knien und singen dazu
taktmässig:
Fabian, Sebastian,
lat mi de Weidenflöt afgahn!
Am Tage dieses Heiligen soll der Saft in die Bäumetreten. (S. Voss Idylle V, V. 179.)
14. Noch haben die Knaben besondere Belustigungen,
die sich gewöhnlich nach den Jahrszeiten richten. Im Früh-
jähr bei der zuerst warm scheinenden Sonne werden diejenigen
vorgenommen, die besondere Bewegung des Körpers erfordern.
Der Kreisel von der Peitsche herumgetrieben ist ein altes
Spiel; schon im Parcifal kommt es vor:
4469 [150, 16 — 18] hie diu geisel, dort der topf 1 )laz kint in umbe triben,so lobt manz vor den wiben.
') topf ist der Kreisel (noch gebräuchlich in Dilltopf): engl, top, franz.toupie.