372 ZU DEN MÄRCHEN.
Klingelspiel. Die Kinder sitzen in einem Kreis und
singen:
Sa, sa, sa,
der Wirth ist nicht zu Hause,wenn er wird nach Hause kommen,wird er wohl geklingelt kommen!
Jetzt klingelt einer mit der Schelle, worauf alle die Plätzewechseln müssen und der Klingelnde sich einzuschieben sucht. —Die Kitz. Jedes Kind giebt von seinen Nüssen, bis ein grosserHaufen davon auf dem Tisch liegt. Dann geht eins hinaus,die übrigen wählen unter den Nüssen eine, welche die Kitz(Katze) heisst. Ist dies geschehen, so wird jenes herein ge-rufen; es darf so lange Nüsse von dem Haufen wegnehmen,bis es auf die bestimmte trifft, so wie es die angreift, rufenalle mit grossem Geschrei: die Kitz! — Das Krusehein, inder Schweiz üblich (Stalder II, S. 138.) Kleine Münze wirdin Krusch (Kleie) versteckt, und hernach bildet man aus derganzen Masse so viel Häufchen, als Kinder dabei sind. Beisolchen Glücksspielen sagen die Knaben im Holsteinischen(Schütze III, 30), wenn es nur noch auf die letzte Entscheidung
ankommt:
,.de letzte Hand
klopft an de Wand,
de werd mi nig verlaten!"
Ringe schnellen. Ein altes Kinderspiel, dessen Wolfram
von Eschilbach im Parcifal gedenkt:
10980 [368, 10—12] amo hove er sine tohter yantunt des burcgi-aven töhterlin,diu zwei diu snalten vingerlin.
Vielleicht waren es Reife, die eins dem andern mit einerschwanken Gerte zuschnellte; ein noch heute bekanntes Spiel. —Das Ballspiel, ist weit verbreitet und mannigfaltig. Diealten Dichter sahen es als ein Zeichen des Frühlings an, undWalter spricht [39, 4. 5] : „wenn ich die Mägdlein auf der Strassesehe den Ball werfen, so kommt uns der Vögelein Schall"; undNithart (Maness. II, 79a) [XL, 25 — XLJ, 2 Haupt]:
es wirfet der jungen tu
uf der strazon ein bal;
dast des sumers erstez spiel.