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1 (1881)
Seite
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ÜBER DAS WESEN DER MÄRCHEN. 349

Jungfrauen. Und da die Spindel, das Rad kreist, so fälltmit diesem Bild ein anderes gleichfalls uraltes, in dem eddi-schen Mühlenlied schon ausgebildetes zusammen, von einemMühlenrad des Schicksals, welches alles, was der Wunschverlangt (daher auch ein Wünschelrad), mahlt: Gold, Friedenund Krieg. Und so werden wir auf die noch fortdauerndeIdee eines das Entgegengesetzte herumtreibenden Glücksrades(wie es im Wigalois der König besitzt) geführt. Fast immersind die Goldspinnenden auch Hirtinnen, sie hüten Gänse,Schwäne, d. h. die Geister, was wiederum nur ein andererAusdruck für das Lenken, Bewachen des Schicksals ist.

Gleichfalls der Däumling (pollux) ist eine aus der Vor-zeit übrige Götteridee. Er ist der die Heimath Schützende,seine Geschwister aus der Noth Rettende, immer wohl Leitendeund ohne Zweifel mit den Kabiren und Penaten verwandt, dieja auch in kleiner, zwerghafter Gestalt gedacht wurden. Ineine Reihe mit ihm gehören die Wichtel-, Haulemänner,Kobolde und Zwerge. Sie sind gleichfalls die Alfen dernordischen Mythologlie und eben so beides: gut und wohlwol-lend oder bös und schadenfroh. Sie bewohnen nicht bloss dieOberwelt, sie heissen auch die Unterirdischen und durchdrin-gen die verborgene und heimliche Erde, wo die herrlichstenHäuser für sie bereit stehen; sie sind der in die feinsten Adernder Welt vertheilte treibende Lebensgeist.

Überhaupt aber das die Naturkräfte in dem Gegensatzihrer wilden und stillen Wirkungen darstellende Riesen- undZwergwesen lebt hier noch in den Formen und Bildernfort, in welchen es die alten ursprünglich deutschen Gedichtedarstellen, das Übermächtige und doch Ungeschlachte jenerist in ähnlichen naiven, höchst bezeichnenden Zügen darge-stellt, so wie die Schlauheit, List und wiederum das Zuthätigeund Bereitwillige der Kleinen aus Eiberichs Reich, welchedurch ihre wunderbaren und geheimen Kräfte immer auch dasGeistermässige ihrer Natur erkennen lassen.

Legen wir diese einzelnen Körner zusammen, so scheintvon dem alten Glauben noch durchzublicken: Belebung der