VOKREDE ZUM ERSTEN BAND. 323
blieben, erscheinen darin; das andere ist ihr fremd und unbe-kannt. Auch, jwie in den Mythen, die von der goldenen Zeitreden, ist die ganze Natur belebt, Sonne, Mond und Sternesind zugänglich, geben Geschenke oder lassen sich wohl garin Kleider weben, in den Bergen arbeiten die Zwerge nachdem Metall, in dem Wasser schlafen die Nixen, die Vögel(Tauben sind die geliebtesten und hülfreichsten), Pflanzen,Steine reden und wissen ihr Mitgefühl auszudrücken, das Blutselber ruft und spricht und so übt diese Poesie schon Rechte,wornach die spätere nur in Gleichnissen strebt. Diese un-schuldige Vertraulichkeit des Grössten und Kleinsten hat eineunbeschreibliche Lieblichkeit in sich und wir möchten lieberdem Gespräch der Sterne mit einem armen verlassenen Kindim Wald, als dem Klang der Sphären zuhören. Alles Schöneist golden und mit Perlen bestreut, selbst goldene Menschenleben hier, das Unglück aber eine finstere Gewalt, ein unge-heurer menschenfressender Riese, der doch wieder besiegt wird,da eine gute Frau zur Seite steht, welche die Noth glücklichabzuwenden weiss, und dieses Epos endigt immer, indem eseine endlose Freude aufthut. Das Böse auch ist kein Kleines,Nahstehendes und das Schlechteste, weil man sich daran ge-wöhnen könnte, sondern etwas Entsetzliches, Schwarzes, strengGeschiedenes, dem man sich nicht nähern darf; eben so furcht-bar die Strafe desselben: Schlangen und giftige Würmer ver-zehren ihr Opfer, oder in glühenden Eisenschuhen muss es sichzu todt tanzen. Vieles trägt auch eine eigene Bedeutung insich: die Mutter wird ihr rechtes Kind in dem Augenblickwieder im Arme haben, wenn sie den Wechselbalg, den ihrdie Hausgeister dafür gegeben, zum Lachen bringen kann;gleichwie das Leben des Kindes mit dem Lächeln anfängtund in der Freude fortwährt, beim Lächeln im Schlaf aberdie Engel mit ihm reden. So ist eine Viertelstunde täg-lich über der Macht des Zaubers, wo die menschliche Ge-stalt frei hervortritt, als könne uns keine Gewalt ganz ein-hüllen und es gewähre jeder Tag Minuten, wo der Menschalles Falsche abschüttele und aus sich selbst herausblicke;dagegen aber wird der Zauber auch nicht ganz gelöst,
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