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1 (1881)
Seite
310
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310 KUNSTPOESIE.

Triebe, den Streit unserer Zeit angedeutet finden? Wer auf-richtig ist, muss die Erinnerung an eine vorangegangene Herr-lichkeit, den Zusammenhang fortlebender Geschlechter als etwasin der Gegenwart noch Wirkendes anerkennen: ist es natürlich,sich darnach zurückzusehnen, fühlen wir die eingeborne Nei-gung nach dem freieren und edelen Leben auf Bergen, sotreibt auf der anderen Seite die Nothwendigkeit der Gegenwartin die Thäler herab zu der sinnenden Arbeit des Geistes, zubürgerlicher Thätigkeit und Beweglichkeit der Sitten. Werdie Eigenthümlichkeit und den Werth jedes wahrhaftigen Da-seins nicht bloss in Worten anzuerkennen und zu achten weiss,der hat bald allen Streit gelöst, die Schranken theilen wohl-thätig den Boden, den irdischen Besitz; die Liebe steht höher,über die weiteste Trennung reicht eine treue Hand hinaus,und das Mildmenschliche ist das Mächtigste in einer reinenBrust. Aber wir erblicken nur ein unbesonnenes und geist-loses Streben, zu vermischen und zu vernichten, was in ver-schiedenen Farben leuchtet, oder einen eben so unbesonnenenHochmuth, der, was die Zeit allen gemeinschaftlich verliehen,an sich reissen möchte, oder, wo dies unmöglich geworden, esgeringschätzend zurückstossen. Für beide böse Richtungenenthält das Buch vielfach Lehren; auch darum wünschen wirihm viele Leser.