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1 (1881)
Seite
308
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308 KUNSTPOESIE.

gehen von der Burg führen, die wie ein geheimnisvolleseisernes Gefängnis hinter uns emporsteigt, worin die höherenRäthsel des Lebens gekettet liegen, die, wenn sie gelöst wären,die Welt in einen andern Umschwung brächten. Das Liedvon Grünewald zeigt uns den Rost, den die Zeit auf dem er-blindeten Glänze des Schlosses gezogen.

Der Gang zu dem Einsiedler scheint das wilde Traubenfestberuhigt, sein Lied den bösen Geist besprochen zu haben, aberes ist die kurze Ruhe vor dem einbrechenden Sturm. Ehe derDichter die Erzählung anhebt, wirft er (im Anfang der sechstenGeschichte) seine Augen erst auf die Natur, gleichsam umgetröstet zu werden über das Schicksal des geliebten Bertholds;er findet auch hier, wenn Frühling und Sommer vergangensind, vor der Wiedergeburt alle Saaten der Erde verschüttet:der Winter kommt den Thieren und Menschen zur Verwun-derung, nur wenige wissen ihre Zeit voraus, wie die Wasser-lilien, die zum Blühen in rechter Zeit ihre strahlenden Häupterüber die Oberfläche der Gewässer erheben, um dann genügsamund ruhig in den Abgrund seliger Erinnerungen bis zur Wieder-geburt zu versinken."

Die Zeichen der Natur wecken Berthold: wie kalt scheint,was ihn umgiebt! Seine rechte Mutter ist ihm längst entzogen,seine Pflegemutter ist nun auch gestorben, kein Lebenslichtwird ihm in der Neujahrsnacht mehr gebracht; bald auch brichtdie Sorge von allen Seiten herein. Die Erzählung von dempolitischen Treiben geht in grossen Schritten und ist in Ver-gleichung zu der übrigen flüchtig und uneben, obgleich siedurch ein Paar gute humoristische Züge belebt wird (nur dassein Bürger eine Kugel für einen Kloss essen will und sich fasteinen Zahn ausgebissen, ist kein solcher, sondern ein starkerSpass, der allenfalls bei einer nächsten Auflage wegfallen kann).Überhaupt ist das Politische nicht das vorzüglichste Elementdes Buchs, und dass es den wahrhaftigen Berthold zu einerVerstellung zwingt, hat gewiss auch dem Dichter leid gethan.

Doch die gewohnte Theilnahme erwacht bald wieder, alswir Berthold von allem, was ihm lieb ist, mit Blicken, Küssenund Gebet Abschied nehmen sehen. Wie herangewachsen