306 KUNSTPOESIE.
Geschichte anders wie er gefasst (bei der unendlichen Ver-schiedenheit der Ansichten) und in dieser Erweiterung Zusätzeerkennt, die ihm sogar fremdartig scheinen können. Die Plänedes Kaiser Max, wie sie hier geschildert werden, beruhen zumTheil doch nur auf Ansichten und Vermuthungen von Geschichts-forschern und können so irrig sein, als die Hypothese von demZusammenhang der Nibelungen und Gibellinen, auf den, wieuns dünkt, der Verfasser auch einmal anspielt. Die Kronenburgdagegen ist schon zu sichtbar im Reich der Dichtung aufge-baut, als dass jemand Anstoss daran nehmen könnte. Auchdarin liegt keine Rechtfertigung der Einmischung, dass dieGeschichte der Dichtung nicht entbehren könne und sie jaselbst schaffe, denn die Sagengeschichte geht aus der Gesinnungeines ganzen Volks hervor, und liegt ein Irrthum darin, so kannes diesen keinem vorwerfen, so wie das Wahre derselben ihmunmittelbar zufliesst und keiner sich dagegen sträuben darf.
Bis zum Brunnenbau treten die Wolken, die sich am Randeund manchmal gewitterschwer zeigen, noch immer zurück, unddie Sonne behält die Oberhand. Noch dürfen wir hoffen, dassdas schöne Gebet Bertholds erhört werde, das wir mitzutheilenuns nicht enthalten können: es ist ein inniges tiefes Gefühldarin, dem der leicht anschmiegende Reim durchdringendeRührung und Klarheit verleiht.
Gieb Liebe mir und einen frohen Mund,Dass ich dich, Herr, der Erde thue kund,z Gesundheit gieb bei sorgenfreiem Gut,Ein frommes Herz und einen festen Muth;Gieb Kinder mir, die aller Sorge werth,Verscheuch die Feinde von dem trauten Herd:Gieb Flügel dann und einen Hügel Sand,Den Hügel Sand im lieben Vaterland,Die Flügel schenk dem abschiedschweven Geist,Dass er sich leicht der schönen Welt entreisst.
Mit dem Eintritt des Bergmanns nimmt die Grundfarbeder Erzählung die Erdfarbe an, auf der die Gestalten hinein-blitzen, wie der Glimmer im Gesteine. Der emporschiessendeWasserstrahl betäubt wie ein lang Ersehntes und Gefürchtetes jerst nachdem er in sein ruhiges Bett zurückgetreten, hoffen