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1 (1881)
Seite
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270 KÜNSTPOESIE.

Geistesunabhänjriffkeit ihrem Einfluss nicht entgehen kann, wiewir uns nicht die Luft versagen, die uns umgiebt, und dieSpeise, die unser Land erzeugt. Übrigens lege man dies nichtso aus, als sei dadurch die Freiheit des persönlichen Urtheilsgeleugnet oder nur gefährdet, es soll mit aller Mannigfaltigkeitbestehen. Eben aus dem Zusammenklang darin wird, was wirin dem bedeutenden und edlen Sinne die Stimme des Volksnennen, erzeugt, sie aber wünschen wir vor allen aufrecht zuerhalten, denn bei dem schärfsten Widerspruch und jeder mög-lichen Äusserung wird allezeit das Rechte siegreich herauf-dringen. Jedes Urtheil ist dann nur ein besonderes ohne An-spruch auf Entscheidung und Allgemeinheit. In diesem Sinnesollten auch ästhetische Recensionen betrachtet werden. Weilin der Litteratur nicht minder Bewegung und gesellschaftlicherVerkehr ist, so wünscht man die Stimmung der Mitlebendenzu vernehmen: eine Begrüssung des Neuhinzugetretenen oderein Wegwenden von demselben, ein endliches Urtheil kann esnicht sein, und jede Anmassung dazu hat sich immer von selbstvernichtet. Auch haben wir es nicht selten erfahren, dass innere,in sich ruhende Vortrefflichkeit gegen das von allen Seiteneinbrechende ungünstige Urtheil der Zeit sich endlich bewährtund ein langes Vergessen, aber kein langes Verkennen mög-lich war.

Wir glauben wohl, dass es der Verfasser hin und wiedergefühlt, wie etwas dagegen streite, über das in der GegenwartBestehende auf diese Weise geschichtlich zu reden; die seltsameArt, mit der er öfters das Urtheil weggeschoben, das Mildernde,das er durch die Form hineinzulegen versucht hat, deuten darauf;dennoch wie parteiisch, inconsequent, ja, in andern Augen,wie hart er gewesen, bei allem aufrichtigen Bestreben zumGegentheil, werden wir unten zeigen. Ohne Zweifel hat ihndie Eintheilung nach Jahrhunderten vermocht, seine Arbeit aufdiese Zeit auszudehnen, die doch offenbar nur eine äussereist und keine Beachtung verdient. Man kann wohl mit dem18. Jahrhundert anfangen (was zufällig ist), aber nicht damitendigen, so wie keiner unsere Zeit einmal geschichtlich ver-stehen und darstellen kann, der nicht bis zu ihrem Beginnen