Druckschrift 
1 (1881)
Seite
251
Einzelbild herunterladen
 

ÖHLENSCHLÄGERS PALNATOKE. 251

in dem Aladdin desselben Dichters eine reiche glühende Phan-tasie und sinnreiche Allegorie bewunderten: so spricht uns hierin der lebendigen Darstellung der alterthümlichen, vaterländi-schen Helden des Dichters ein neuer kräftiger Geist um sotiefer an, da der Eindruck des Ganzen durch kein unnöthigesBeiwerk gestört ist und unter andern die Liebe, ein, wie esscheint, so nothwendiges Ingrediens der modernen Tragödie, indieser keinen Platz findet. Es ist der Zweck des gegenwärtigenAufsatzes, nicht eine Beurtheilung, sondern nur eine einfacheAnzeige des Werks zu liefern: daher ausser dem Gesagtenvon dem Einzelnen des Stückes nichts ferner geredet werdenwird, sondern hier nur der Versuch einer metrischen Über-setzung einer der Hauptscenen angehängt worden; der, in wel-cher König Harald den Finnenknaben in der Nacht seinesTodes zum Morde Palnatokes verführt. Möge der Dichterselbst diesen Versuch mit gütigem Auge ansehen und in einervaterländischen Übersetzung des ganzen Stückes uns etwasVollendeteres liefern, als das gegenwärtige, nur um auf dasGanze aufmerksam zu machen, anspruchslos Dargebotene*).

VIERTER ACT.

ERSTER AUFTRITT.

Harald.Ha, diese Nacht ist schwanger mit Verbrechen!Ich seh' im Dunkeln sie mit Dolch und Fackel!Elender Neider! ich komm' euch zuvor.Lass meine That mir glücken, Sanct Sebaldus, -Und' eine Purpurdecke deinem AltarGelob' ich und zehn Kerzen; ja, ich baueDir eine Kirche, so du jetzt mir hilfstEntrinnen dieser fürchterlichen Nacht.

*) Mit dem Verfasser dieses Aufsatzes verbindet sich mein und mehrerermeiner Freunde Wunsch und Bitte, dass es dem Herrn Professor Ohlen-schläger gefallen möchte, uns recht bald auf deutschen Boden dieses Dramazu übertragen, dessen angegebener Inhalt, so wie das übersetzte Stück, dasVerlangen nach dem Ganzen einem jeden erregen müssen.

Büsching.