246 KUNSTPOESIE.
Schweben wieder zur Heimath die Engelein,Die Hirten aber wandern in Bethlehem ein,Verkünd'gen, was Seliges sie erkannt,Da wird ihnen mit Spott der Rück zugewandt;So wandern sie wieder zum Felde fort,Knien vor dem Kindlein und trauen auf Gott.
Und die Sterne blinken am HimmelsrandUnd winken den Kön'gen im Morgenland,Ihre Strahlen kommen und neigen sichUnd sinken zur Erde demüthiglich,Preisen den Erlöser mit frommer Lust,Der lächelt an Marias schöner Brust.
Und sie richten vom schwarzen Boden sich draufWie Blumen von Purpur und Gold wieder auf;Unschuldige Kinder, so fromm, so beglückt!Halb erhoben, halb nieder zur Erde gebückt,Sie reichen die Urnen, so süss vergüldt,Mit Weihrauch und duftenden Myrrhen gefüllt.
2. MARIA.
Mild und warm,
Mit dem süssen Kind im Arm,
Jung, unschuldig, hold und schön,
Lächelt sie zu ihrem lieben Sohn,
Legt ihn an ihre volle Brust,
Vogelsang*) ist ihre Lust,
Weiss, wie Lilien, ihre Hand,
Himmelblau ihr Gewand, •
Augen dunkelblau, wie die See,
Zitternde Thränen darinnen stehn,
Haar, wie der Sonne Strahlenfluth,
Wangen Morgens Rosenblut.
Schau! in des Äthers Silbergewebe fein
Wieart sie das zarte Kindelein.
*) [Vogelfang ist augenscheinlich Druckfehler; Rühs nennt es freilich inder Hallischen Litteraturzeitung 1812 Bd III, S. 851 einen der schülerhaftestenSchnitzer.]