DIE LIEDER DER ALTEN EDDA.
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10. „Sie quälte michund trieb mich
Einen Hausherrn fand icheine Hausfrau
11. Nimmer Gudrun
so war sie bekümmertund steinhartes Muthes
12. Da sang das Gullraund,„Wenig kannst Du, Pflegerin,der jungen Königin
13. Sie verbot einzuhüllensie schwang das Tuchund wendete die Wangen
14. „Schau auf den Lieben,Wie Du halsetest
15. Auf schauete Gudrun
sie sah des Fürsten Haardie klaren Augendie Brust (Burg der Seele) desHerrn
16. Da sank Gudrun
der Hauptschmuck löste sich,ein Regentropfen
ohn' Ursache x )mit harten Schlägen,nirgends besser,nirgends schlimmer."
weinen konnte,
über des Helden Tod
bei des Königs Leich.
Giukis Tochter:obgleich Du weise bist,entgegen reden."
des Königs Leich,
ab von Sigurd
vor des Weibes Knie.
leg Du den Mund an seine Wange,den lebendigen König."
einmal,
blutberonnen,
des Fürsten gebrochen,
vom Schwert durchbohrt.
nieder aufs Polster,die Wange röthete sich,rann nieder aufs Knie.
Es sei vergönnt, mit Goethes Worten 2 ) zu schliessen: „Be-trachtet man die einzelne frühere Ausbildung der Zeiten, Gegen-den, Ortschaften,, so kommen uns aus der dunkeln Vergangen-heit überall tüchtige und vortreffliche Menschen, tapfere, schöne,gute, in herrlicher Gestalt entgegen. Der Lobgesang derMenschheit, dem die Gottheit so gern zuhören mag, ist niemalsverstummt, und wir selbst fühlen ein göttliches Glück, wennwir die durch alle Zeiten und Gegenden vertheilten harmonischenAusströmungen, bald in einzelnen Stimmen, in einzelnen Chören,bald fugenweise, bald in einem herrlichen Vollgesange ver-nehmen."
Kassel, am 5. November 1811. Gebrüder Grimm.
') Eigentlich: af afbrydi, wörtlich: ex abrupto. N
2 ) Farbenlehre II, 131. [Theil 36, S. 90. Hempelsche Ausgabe.]
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