RÄTHSEL AUS DER HERVERARSAGA.
Berliner Abendblätter. [Herausgegeben von Heinrieh von Kleist.] No. 19.Berlin, den 23sten Januar 1811. S. 75—76.
xJev König Heidrekur hat einem reichen Mann in Goth-land, der Giestur heisst, der ihm Feind war und ihm seinerbösen Thaten wegen oft Unglück gewünscht hatte, die Wahlgelassen, entweder sich dem Urtheil seiner zwölf weisen Männerzu unterwerfen oder mit ihm in Räthseln zu streiten. In derNoth, da er durch beides gefährdet wurde, hört Giestur Abendsan seiner Thüre pochen; ein Mann tritt ein, der ihm heisst, dieKleider mit ihm tauschen. Das geschieht, der Verkleidete gehtnun an des Königs Hof, wird dort für den Giestur erkanntund will sich auf Räthsel mit dem König einlassen, der esnicht ahndet, dass es Othin ist, der vor ihm steht.
Ich wähle nur einige aus.
II. Giestur sprach: Heim fuhr ich gestern, sah ich aufdem Weg Wege: war da Weg unten, Weg oben und Wegin allen Wegen. Heidrekur, König, denk du an das Räthsel.
König antwortete: Gut ist dein Räthsel, errathen ist das.Da fährst du über eine Brücke, und Weg war unter dir nieden,und Vögel flogen über deinem Haupt und rund um dich: undwar darum Weg auf allen Wegen.
III. G. sprach: Was ist das für ein Trank, den trank ichgestern? Das war nicht Wein, nicht Wasser, nicht Meth, nichtirgend eine Speise, fuhr doch durstlos davon? Heidrekur etc.
König antwortete: Errathen etc. Du lagst im Schatten,als der Thau^ war gefallen aufs Gras und kühlte dir deineLippen.
IV. G. sprach: Wer ist der Schallende, er geht auf har-tem Weg, ist oft vorher weggesprungen, oft küsst er, hat zweiMünde und zu Gold nur geht er? Heidrekur etc.