148 NATURPOESIE.
männer haben auch zusammengesetzt einen Theil dieser Sagen" 1 ).So nämlich verstehe ich diese Stelle.
Noch verdienen die Punkte einige Betrachtung, von wel-chen aus wir die Wilkina Saga zu berücksichtigen haben.
Erstlich hat sich darin, wenn auch nicht vollständig, dochsicher der grösste Theil des altdeutschen Heldencyklus erhalten.Wir können daher, wenigstens dem Inhalte nach, das Verlorne,und was noch aufzufinden ist, bestimmen. Denn freilich dieschöne rhythmische Einkleidung ist untergegangen durch dasÜbersetzen und vieles von der reichen poetischen Darstellungder Nationaldichtung, aber immer noch liest sich diese pro-saische Auflösung an einigen Orten, wo sie umständlich ge-blieben, z. B. in der Erzählung von Vilint, sehr gut. Sodannzeigt sich darin der Zustand, in welchem die deutsche National-poesie im dreizehnten Jahrhundert gewesen. An den Höfennoch lebte ihr Gesang, und unter dem Volk wurde die Sageerzählt und merkwürdig übereinkommend wurde sie an ent-fernten Orten gehört, wie alles die vorhin ausgehobenen Stellenbezeugen. Endlich resultirt daraus ein neuer Beweis für dasVerhältnis der Nationaldichtung zu der romantischen, wie esoben erläutert worden ist. Diese stand eben zu der Zeit, wodas Buch gesammelt wurde, in ihrer höchsten Blüthe unddennoch war sie so wenig übergegangen zu dem Volk, dasshier auch keine Spur von ihrem Dasein gefunden wird 2 ),und daran darf man doch nicht denken, dass der Sammlerkritisch zu Werk gegangen wäre. Merkwürdig ist auch, dassauf die Begebenheiten des Ottnit und Wolfdieterich nirgendsangespielt wird; König Rother kommt zwar dem Inhalt nachvor, aber durchaus nicht in dieser südlichen Gestalt, ein sicherer
') Nordmemi liafa og samansett nokurn hlut sogu thessarar.
-') Zwar kommt der Konig Artus vor mit seiner Tochter Hildur, abergar nicht in einem Vei'hältnis, das in der romantischen Poesie dargestellt wäre.Vielmehr will hier Dieterich von Bern mit Hildur sich vermählen. Es scheint,dass Artus, unabhängig von romant. Poesie, in Deutschland und in demNorden bekannt war, denn in der Samson Fagres Saga tritt er auch auf,und Aventin erzählt eine Volkssage von ihm. — Eben so wenig ist der KönigSalomon von Frankreich aus französischen Gedichten genommen.