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1 (1881)
Seite
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OSSIAN UND PARZIVAL. 57

dem Gegenstand selber, dessen eigene bildliche Bedeutung hiernäher steht, als in jenem Liebesgedicht, ausserdem ist auchsonst Wolfram von Eschenbach nicht so freigebig mit Gleich-nissen wie Gottfried, wiewohl die seinigen alle ein eigenthüm-liches Gepräg haben und oft kühn genug sind. Als Gawandie Orgeluse mit einem andern Ritter in der Zaubersäule sah,da kam durch sein Herz enge die Herzogin, wie Nieswurz inder Nase herb und strenge ist". Ebenso als Gawans Augenweinen müssen lernen, spricht er:zu einer Zisterne hätten sieschlecht getaugt, 'denn sie hielten das Wasser nicht". DieseArt Humor ist überhaupt dem Dichter eigen und bezeichnetwohl die Freiheit langer Übung der Kunst. Als in der Nachtdie Jungfrau, den Schlaf sich abbrechend, zu Gawan gegangenund sich auf den Teppich vor das Bett gesetzt, spricht Wolfram:die klare Jungfrau bei mir ich selten schau, dass mir Abendsoder früh solche Aventüre schleiche zu 1 )." Wie Fairefiz dieUrepanse küsst:ihr Mund war eh so roth, der leidet vonKüssen nun die Noth, dass er mich müht, und ist mir leid,dass ich nicht habe solche Arbeit 3 )." Der Löwe springt aufGawan zu und droht ihn zu zerreissen:wollte man ihn solcherSpeise gewöhnen, dass er gute Leute ässe, ungern ich bei ihmsässe 3 )".

Wolfram hat aber in den gewagten Gleichnissen niemalsdie Grenze überschritten und man kann von keinem sagen, dasses abgeschmackt sei, vielmehr bewähren sie die Sicherheit undden festen Grund dieses reichbegabten Dichters.

') V. 16544. [1. 16543 = 554, 3.]

2 ) V. 24023. [1. 24123 = 807, 5.]

3 ) V. 17087. [572, 8.]

[Diesen beiden Aufsätzen liegen noch vier Notizen bei: J. J. Breitinger,Abhandlung über Gleichnisse, herausgegeben von Bodmer. Zürich 1740. Bibl.Cass. Philo]. 8° 32, femer: 6 \ö~(o<; -nj; i>uyjis eioiuXdv lati und zwei Citateaus Goethes Farbenlehre mit den Bemerkungen: ad p. 11, zu p. 15. Sie ge-hören, wie es scheint, zu anderen nicht vorliegenden Theilen der gleichenArbeit über Gleichnisse.