OSSIAN UND PARZIVAL. 51
der hinsterbende Ossian 1 ). Die Söhne des schwachen Ge-schlechts bewohnten die Hallen der Väter, der Helden nichteiner war übrig als Ossian , er der letzte Laut der StimmeConas 2 ).
Der Geist des Lieds zeigt sich auch im Gleichnis, fastimmer ist das Allgemeine im Besondern dargestellt, eine Neigungder einsam betrachtenden Seele, die durch die ganze Natur sichausbreitet, während das reine Epos, der Inbegriff des ganzenLebens eines Volks, durchaus in seinen Bildern das Allgemeineim Besondern zeigt. Die Bilder sind gar nicht mannigfach,die Kämpfe werden meist durch zwei Donner, die auf Berges-höhen gegenüber gestanden, oder durch zwei gegen einanderbrausende Ströme verglichen, allein sie sind in demselbenFarbenton unendlich verschieden und eigenthümlich lebendig,oft von unbeschreiblicher Schönheit. Sie sind alle aus derumgebenden Natur genommen, die Seele, die sie gefunden,hat alle Geheimnisse derselben erforscht: was ein frischerMensch, der durch die Wälder, Berge und Thäler hinzieht,gefühlt und gesehen, reicht dahin nicht, sein Weg führt ihnbald hindurch, zu den heimlichsten Gegenden führt keiner, dieThiere fliehen vor ihm. Vor diesem Geist aber sind sie nichtgeflohen, er hat sie nicht erschreckt; mitten in der Einsamkeithat er geruht, wie der erste Lichtstrahl durch das Laub ge-brochen und jedes Blatt in grünen Flammen sich erhoben undden Thau glänzend von sich geschüttelt. Er hat gesehen, wiedie Vögel erwachend ihr Haupt aufgerichtet und herabspringendzur Quelle sich gebadet und schauernd nach der Sonne sichumgesehen, wie die Rehlein, aufgestiegen vom Lager, an dengrünen Hügeln gespielt. „Das Haupt des Birkhahns deckt derFlügel, die Hindin ruht beim Hirsch der Heide, sie werdenerwachen beim Frühlicht und grasen am mosigen Strom 3 )."Dann ist die Sonne aufgezogen, jeder Baum hat nach seinemLeben in den Lüften sich bewegt, der blaue Himmel, die weissen
') Barhonna 414.
3 ) Barhonna 114. 137.
3 ) Cuchullins Tod 26.