OSSIAN UND PARZIVAL. 49
Feind zum Mahl der Muscheln einlädt und dem Besiegten ge-liebter Erinnerungen wegen vergiebt, herrlich; ebenso sind dievon den Barden besungenen einzelnen Sagen recht wunderbarschön: unglückliche Liebende werden verherrlicht, die der Todtrennte und meist wieder vereinigte. Man kann in ihnen denGrund der Volkslieder noch sehr klar erkennen, am schönstenist das Lied von Comal und Galwin im dritten Gesang. Auchin Timora, dem anderen grösseren Gedicht, ist dasselbe Ver-hältnis, ein loser Zusammenhang im Ganzen, aber eine reicheDichtung im Einzelnen; der sechste Gesang ist der schönste ineinfacher Erzählung wie in der Darstellung. Im vierten *) kommtein Bild vor von so heimlicher Anmuth, dass sich kaum etwasZarteres erdenken lässt: Sulwalla schläft ein am schilfigen Randedes Baches, von ihrem Haupt fällt der Helm, in ferner Heimathist ihr Traum, dort glänzt Morgenroth auf den Gefilden, dortzieht die Jagd, dort wandelt auf den Höhen ihr Geliebter, undjungfräulich wendet sie den Blick von ihm: sie weiss es nicht,dass er nah über ihr weint und zum verderblichen Kampf fort-geeilt, eh sie erwacht; doch ihre Seele hat ihn empfunden. DieLieder von Selma zeigen eine lind trauernde Seele und sindeigentümlich erwärmt und ansprechend, doch die Klage alleinverknüpft das Einzelne. In Carhon nur ist noch Gleichmasszwischen Fabel und Darstellung, und dies kleine Lied darumdas vollkommenste zu nennen; darnach folgt O'ihonna undCahlin von Clua.
Wie die Fabel im Ganzen, so haben die Charaktere derHelden ihren scharfen und individuellen Umriss verloren, es istin allen eine schwermüthige, erhabene, fast überirdische Ge-sinnung, durch Grade darin unterscheiden sie sich, nur dieeigenthümliche Trauer, einmal unterlegen zu haben, wirft aufCuchullin ein eigen gefärbtes Licht. Gut und bös allein ist inden Helden entgegengesetzt, dunkel, finster blickend sind dieBösen, rothhaarig wie Dunromma in O'ihonna 2 ) und Carbrein Timora 3 ). Finjal aber ist der Mittelpunkt, um den sich alles
') V. 370 ff.-) V. 153.3 ) I, 137. 176.
W. GRIS1M, KL. SCHRIFTEN. 1. 4