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1 (1881)
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48 WISSENSCHAFTLICHE ANFÄNGE.

GLEICHNISSE IM OSSIAN UND PARZIVAL.*)

OSSIAN.

JLn dem Ossian ist zweierlei zu erkennen, entgegengesetztes(insofern überhaupt eins ohne das andere sein kann), was sonstdurch die Zeit weit getrennt erscheint: eine Dichtung in derFabel und in dem Gemüth. Es ist gar kein Zweifel, dass esalte Heldensagen sind, lebendig unter dem Volk erwachsen: dieGewalt und das Weltergreifende, das ihnen stets eigen, lässtsich wohl erkennen; dennoch ist es, als wären diese Sagen derBetrachtung eines einzelnen übergeben worden. Wie nun alles,was aus dem Bewegenden des Lebens zurücktritt und bloss vorder einsamen Beschauung steht, seine feste[n] Umrisse verliertund anfängt in Farben mannichfach zu luxuriren, so hat auchdie alte Fabel ihr Zusammenhalten und ihre Macht hier auf-gegeben, man kann nicht sagen ganz, aber sie gefällt sich mehr,einzelne Momente darin aufzusuchen und dabei zu verweilen.Nicht in den Mittelpunkt der Sage laufen die Fäden zusammen,sondern in die Brust des Dichters, aus dieser ist die Dichtunggesponnen, sie verhält sich zu dem reinen Epos wie der Traumzu dem Leben des Tags. Nur so weit wird der Geschichtegedacht, als nöthig ist die einzelnen Situationen daraus zu ver-stehen: wie flüchtig eilt der Dichter in Calhon und Culwalaan der Fabel vorbei, nur in wenig Worten redet er davon. 1 )Es sind andere Forderungen anderer Zeit, man nennt den Ossiandarum lyrisch, nicht ganz recht, denn die Stimmung ist auchwieder von der lyrischen verschieden. In Finjal ist die Fabelgänzlich unbedeutend: Cuchullin, Cormacs Vormund, wird vonSuaran bedroht, Finjal kommt ihm zu Hilfe und schlägt undsendet fort den Feind, der Cuchullin schon besiegt hatte; da-gegen sind die einzelnen Situationen der Helden, der einsame,über sein Unglück erhaben traurige Cuchullin, Finjal, der seinen

*) [Bisher ungedruckt. Die Abfassungszeit ist unbekannt. Vgl. die Anm..am Sckluss.]

') V. 42 ff. (III S. 381).