22 BIOGRAPHISCHES.
wir die Pflicht, die Verbindung der ganzen Familie fortwährendzu erhalten.
Zu Anfang des Jahres 1814 bewarb ich mich um diezweite Bibliothekarstelle an der Bibliothek im Museum, dievacant war. Ich glaubte dazu nicht ungeschickt zu sein, undwas mir fehlte, durch Fleiss und Neigung zu diesem Amte zuersetzen. Der geheime Hofrath Strieder, der an der Spitzeder Bibliothek und bei dem Kurfürsten sehr in Gunst stand,ein Mann von redlicher, aber finsterer und bitterer Gesinnung(er hatte aus Hass gegen die Franzosen während ihrer An-wesenheit sieben Jahre lang keinen Fuss aus seinem Hausegesetzt und konnte, ohne heftig zu werden, sie nicht nennen),rieth mir, um die Stelle bloss mit dem Titel eines Bibliothek-sekretärs zu bitten, weil der Kurfürst der nöthigen Ersparnissewegen den Bibliothekarsgehalt zu ertheilen nicht geneigt seiund sonst die ihm nicht sehr dringend erscheinende Besetzungder Stelle aufschieben möchte: in der Sache mache dies keinenUnterschied, und bei der ersten Gelegenheit werde sich meineStellung verbessern. Dieser Rath war so gut als eine Entschei-dung; meine Bitte ward nun schnell erfüllt, und am löten Febr.trat ich mein Amt an. Mit dem ersten Bibliothekar, Ober-hofrath Volke!, stand ich von Anfange in dem besten Ver-nehmen, er war reich an Kenntnissen, von gemässigtem, freund-lichem Charakter, er hat mich niemals anders als collegialischbehandelt, alle Geschäfte der Bibliothek wurden ebenfalls ge-meinschaftlich besorgt. Als Völkel, die Antikensammlung zureklamiren, nach Paris gesendet wurde, blieb mir die Verwaltungder Bibliothek, selbst die Auswahl der anzukaufenden Büchereine geraume Zeit allein überlassen. Nach Strieders Tod, derschon im Jahre 1815 erfolgte, würde ich vorgerückt sein, abermehr werth als eine Beförderung war mir die Hoffnung, dassmein Bruder, der die diplomatische Laufbahn aus mehr alseinem Grunde zu verlassen sehnlich wünschte, die Stelle erhaltenkönnte. Wir waren bisher nie getrennt gewesen und ent-schlossen, so lange es in unsern Kräften stehe, beisammen zubleiben, aber ein solches gemeinschaftliches Amt erfüllte unsernliebsten Wunsch. Fast gegen Erwartung wurde die Bitte ge-