Druckschrift 
1 (1881)
Seite
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14 BIOGRAPHISCHES.

Seele einfallen; allein es beweist auf der andern Seite gleicheStumpfheit, wenn man den Einfluss abwehren wollte, den esauf Verständnis und richtige Behandlung der Gegenwart habenmuss. In dieser Beziehung scheint es mir auch wichtig, dassdie altdeutsche Literatur Veranlassung gab, auf Sitten, Gebräuche,Sprache und Dichtung des Volks die Aufmerksamkeit zu richten,und es verletzt schon jetzt den gelehrten Anstand nicht mehr,davon in ernsthaften Büchern zu reden und die Spuren deshohen Alterthums darin nachzuweisen. Ich erwähne hier diealtdeutsche Literatur gewiss nicht, um Gelegenheit zu haben,eine Recension meiner Schriften zu liefern, nur eine Bemerkungsei mir erlaubt, die vielleicht als eine Entschuldigung gilt.Studien und Richtung derselben haben wir in der Gewalt unddabei sollen wir nach einem bestimmten Plane verfahren; dieallgemeinere und breitere Anlage pflegt sich in der Folge zu-sammen zu ziehen und der Umkreis durch Beschränkung mehrFestigkeit und Sicherheit zu erlangen. Ich setze dabei voraus,dass äussere Verhältnisse nicht hemmend dazwischen treten undhöhere Sorgen und Pflichten nicht andere Wege vorzeichnen.Dagegen ist die Ausarbeitung der Bücher selbst hei mir mehr-mals von einem blossen Zufalle abhängig gewesen. Zu derSchrift über deutsche Runen veranlasste mich ein Fund in einemalten Grabhügel, der an sich sehr zweifelhaft war und in demBuche selbst als eine geringe Nebensache erscheint. Ich binschon längere Zeit mit einer Ausgabe von Freidanks Sprüchenbeschäftigt; schnell können Arbeiten dieser Art nicht zu Standekommen, weil die Handschriften, deren Werth erst auszumittelnist, nicht so schnell anlangen, als man wünscht oder Ver-sprechungen hoffen lassen. In der Zwischenzeit sorgte ich fürdie Herausgabe des Grafen Rudolf, wovon die Fragmentein meine Hände kamen, und als diese Arbeit beendigtwar, bemerkte ich, dass meine fortgeführte Sammlung für diedeutsche Heldensage zu stark herangewachsen war, als dass ichsie länger ohne Ausarbeitung übersehen könnte. Ich entschlossmich also dazu, aber sie kostete mehr als die dafür bestimmteZeit, und die Untersuchung selbst führte mich weiter, als ichanfänglich geglaubt hatte. Zwar kehrte ich wieder zu der