SELBSTBIOGRAPHIE.
K. W. Justi, Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- Schriftsteller- undKünstler-Geschichte von 1806—1830. Marburg 1831. 8. S. 164—1S3.
vXrimm (Wilhelm Carl). Ich bin zu Hanau geboren, am24ten Febr. 1786. Obgleich ich erst fünf Jahre alt war, als dieEltern diese Stadt verliessen, sind mir doch noch Erinnerungen ausjener Zeit geblieben. Dreissig Jahre später gieng ich an dem Hausevorüber, wo wir gewohnt hatten, und die offene Thüre reiztemich in die Flur einzutreten; ich erinnerte mich gar wohl derinnern Einrichtung und sah über die Mauer des anstossendenGartens noch den Pfirsichbaum, dessen rothe Blüthe mich alsKind ergötzt hatte. Im Jahr 1790 hatte der Landgraf vonHessen zum Schutz der Kaiserwahl bei der Frankfurt naheliegenden Stadt Bergen ein beträchtliches Corps zusammen-gezogen; um die grosse Revue an einem festlichen Tage mitanzusehen, waren die Eltern in das Lager hinausgefahren, undich besinne mich deutlich, wie ich, zum Kutscbenfenster heraus-schauend, die Regimenter mit den im Sonnenscheine blitzendenGewehren vorübermarschieren sah und der Donner der Kanonenjedesmal den Wagen erschütterte. Nicht minder lebhaft stehtmir noch in Gedanken, wie wir beide, Jacob und ich, Handin Hand über den Markt der Neustadt zu einem französischenSprachlehrer giengen, der neben der Kirche wohnte, und inkindischer Freude stehen blieben, um dem goldenen Hahn aufder Spitze des Thurmes zuzusehen, der sich im Winde hinund her drehte. Zwei Wege waren es besonders, die wir ge-meinschaftlich machten, den einen zu der Schwester des Vaters,
l*