LIX
Zahl der Gfesämmt-Bevölkerung im December
1816. 1849. 18G4. 1875.
1. Münster....... 350 518 421935 442 472 443 344
2. Minden ........ 339 016 463 229 483 148 480 612
3. Arnsberg......376736 579 757 740 961 981741
4. Coblenz ........ 344 668 500866 542 471 571559
5. Düsseldorf.....591098 90''151 1182 733 1460 376
6. Cöln .......... 327 812 49> 330 584 883 654 791
7. Trier.......... 299 372 437 770 564090 615111
8. Aachen........ 307 958 411525 472 018 502 544
Die Entwickelung der Landwirthschaft ist naturgemiiss eine langsame und kannin einem altbesiedelten Lande nicht zu solch rascher Bevölkerungs-Vermehrungführen, wie sie die Bezirke Arnsberg, Düsseldorf, Trier und Köln seit 1816 erfahrenhaben. Wie sind nun die Haupt-Industriezweige von Rheinland-Westfalen entstandenund welchen Gang nahm ihre Entwickelung?
4. Geschichte der Industrie.
Unsere heutige Gross-Industrie ist erst durch die Anwendung der Dampfkraftentstanden und beruht daher auf der enorm gesteigerten Production von Kohlenund Eisen. Der Bergbau und die Hütten-Industrie der Jetztzeit knüpfen zwaran die Arbeit früherer Jahrhunderte an, überragen letztere aber derart, dass ihrAufschwung in unserem Jahrhundert die Erinnerung an die Vergangenheit zurück-drängt und den Eindruck einer grossartigen neuen Schöpfung macht.
a. Steinkohlen-Bergbau.
Der Steinkohlen-Bergbau bildet die Grundlage der heutigen rheinisch-westfälischen Gross-Iudustrie. Seine Haupt-Centren liegen an der Ruhr und ander Saar, schwächere Betriebsstätten ferner bei Aachen, Ibbenbüren und Minden.
Der Kohlenbergbau gewann erst Bedeutung, als die Wälder kein genügendesBrennmaterial mehr lieferten.
Die älteste Erwähnung der Steinkohle bei Essen datirt aus dem Jahre 1317.Eigentliche Kohlen-Zehnt-Einnahmen werden erst 1520—1539 erwähnt. Dieser alteKohlenbergbau hatte im Ruhrthal dort begonnen, wo die Kohlenflötze an denoft steil abfallenden Berggehängen zu Tage traten, er war Tage- und Stollen-Bau.
Im Hochstift Essen, im Stadtgebiet Essen, im Damenstift Rellinghausen undin der Abtei Werden standen im Jahre 1802 insgesammt 127 Zechen in Betrieb,44 lagen still. Es wurden damals jährlich etwa 1 644 070 Ringel a 1 V» Scheifel= 2 700 000 Centner gefördert. Diese Gebiete kamen 1802 an Preussen, welchesdort 1803 die clevisch-märkische Bergordnung von 1766 einführte, die auch während3er bergischen Herrschaft, 1806—1813, in Geltung blieb. Die erste Dampfmaschinezur Wasserhaltung wurde 1804 aufgestellt, und damit begann die Anlage von Tief-bauten. Ausser im Gebiete Essen-Werden wurden in der Herrschaft Broich beiMülheim a. d. Ruhr Kohlen gefördert. Die Zahl der in Betrieb stehenden Grubenverminderte sich während der Fremdherrschaft und betrug 1814 nur 64. DieFörderimg belief sich 1816 in Essen-Werden auf 668 533 Tonnen (a 7 V» Cubikfuss)und stieg bis 1829 auf 847 454 Tonnen, welche auf 47 Zechen von 1018 Arbeiterngefördert wurden. In der Herrschaft Broich waren 1829 zwei Zechen mit 473Arbeitern in Betrieb, welche 247 470 Tonnen förderten. Bis 1830 hatte Hollanddie Kohlen-Einfuhr beschränkt. Nach der Losreissung Belgiens wurde diese Ein-fuhr freigegeben, wesshalb der Absatz nach Holland bald gewaltig stieg. Erbetrug 1841 bereits 2 763 660 Tonnen. Der Absatz stieg noch weiter in Folgeder Eröffnung der Köln-Mindener und Steele-Vohwinkeler Eisenbahn 1847. Es