BERICHT ÜBER DIE STELLUNG DER REGIERUNG. 633
sie komme, ohne weichliche Nachsicht zu strafen; hört und be-willigt sie ebenso rasch jede gerechte und billige Forderung Tso wird der Kraft auch schnell das Vertrauen zuwachsen.
Eine solche rühmliche Unabhängigkeit, soll sie bestehen,,so darf keinem Stande geschmeichelt werden, keinem ein Vor-zug eingeräumt. Gerade in doppeltem Masse wird sich, wasdem einen voraus gewährt, als Hass bei dem Zurückgestellten 309 aansetzen. Hass aber, der alle anderen Gefühle bald überflügelt,zerstört mehr als alles andere das ruhige und gedeihliche Lebeneines Staates, das auf der inneren Gesinnung der Menschen be-ruht, nicht auf Bajonetten, ob sie nun das stehende Heer oderdie Nationalgarde trägt. Diese Lehre hat nicht bloss die Ge-schichte der letzten Zeit gegeben. Zu wünschen wäre z. B.nicht, dass das Militär wieder die Stellung einnähme, die ihmin der westfälischen Zeit von oben zugetheilt wurde und wo-nach wohl hier und da eine Sehnsucht mag übrig gebliebensein. Von allen anderen Gründen abgesehen, muss schon dieBetrachtung davon abrathen, dass sie sich damals auf Napoleonund sein System stützte, und das war, so lange es bestand,eine feste Stütze. Es bedurfte eines Gegensatzes; unsere Zeitwünscht, und ich glaube mit Recht, ihn, soweit es möglich ist,zu mildern.
Man darf erwarten, dass auch der Adel sein natürlichesVerhältnis richtig beurtheilen werde. Unter der hessischenRitterschaft befindet sich eine Anzahl ehrenwerther Männer,die, wenn sie auf ihren Gütern gelebt, wohlthätig auf die Land-leute gewirkt und ihnen mit Milde, selbst mit Aufopferung Bei-stand geleistet; in öffentlicher Thätigkeit haben sie oft mit auf-richtiger Vaterlandsliebe das Wohl des Ganzen ohne kleinlicheRücksichten gefördert. Sie haben mehr als andere Gelegenheit,den Zustand des Landes und seine Bedürfnisse kennen zu lernen,und gibt, was freilich immer weniger vorkommt, eigenes Ver-mögen eine glückliche Unabhängigkeit, so gewährt dieser Um-stand ihnen als Staatsdienern noch einen Vorzug. Wer solltedie Erhaltung dieses Verhältnisses nicht wünschen und eineRücksicht in Besetzung höherer Stellen auf solche Männer, wennsie in Hinsicht auf Ausbildung und Talente mit anderen in