Druckschrift 
4 (1887)
Seite
629
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BERICHT ÜBER DIE LANDSTÄNDE IN HESSEN. 629

nach und nach erlischt; es giebt zu viel wohldenkende, demVaterlande aufrichtig ergebene Officiere, als dass sie nicht zurMilderung derselben beitragen sollten. Auf der anderen Seitewerden die Bürger, zumal wenn der Gerechtigkeit in dieserSache Genüge gethan ist, den Verstand über ihr Gefühl herr-schen lassen und einsehen, dass dem Militär nur Gehorsam,nicht eine Beurtheilung des empfangenen Befehls zustand. DasVerdienst der Bürgergarde, welche in richtiger Anwendung demLande von entschiedenem Nutzen sein kann und in der Thatschon gewesen ist, wird man nicht nach der Fähigkeit, ins Feldzu rücken und das stehende Heer zu vertreten, beurtheilen.Sie hat einen anderen, ebenfalls ehrenvollen Beruf.

Dies ist, oder wenn es bescheidener klingt, dies scheintmir die gegenwärtige Lage der Dinge zu sein. Die Wider-wärtigkeiten, mit welchen wir kämpfen, sind nicht der Art, dassdie Hoffnung, sie beseitigt zu sehen, aufgegeben werden müsste.Hessen hat äussere und innere Bedingungen der Wohlfahrt, dieanderen Ländern fehlen; wir zählen bei dieser Hoffnung nichtwenig auf den gesunden, praktischen Sinn, Redlichkeit undVaterlandsliebe. Die Bürger von Cassel und ihr ehrenwertherMagistrat haben die heftigsten Bewegungen in die schützendenSchranken zurückzuführen gewusst und sind frei von den Gräuelngeblieben, deren verruchte Erfindung von den Belgiern ausge-gangen ist. Möge dieser rühmliche Charakter auch in der Folgesich bewähren.