620- BERICHT ÜBER DIE LANDSTÄNDE IN HESSEN.
der evangelischen Kirche, den Seelsorger einer Gemeinde unterden Gehülfen eines fürstlichen Kochs setzen würde?
Ich betrachte die kirchliche Commission als einen inte-grirenden Theil unserer Landstände und habe meine Meinungüber diese Angelegenheit- vorangestellt, um damit ein Urtheilüber diese zu begründen. Unsere Landstände haben einen ent-schiedenen Erfolg für das Wohl des Landes gehabt. Wer ihrenVersammlungen beigewohnt, hat sich überzeugen können, dasssie mit Haltung, Anstand und einer nur selten gestörten Ruhedie Angelegenheiten verhandelt haben, die in ihre Hände ge-legt waren. Ja, es scheint mir, als hätten sie sich darin vorallen anderen Landständen Deutschlands rühmlich ausgezeichnet.Die Redlichkeit und Wahrheitsliebe des Präsidenten hat nie-mand, von welcher Ansicht er auch war, in Zweifel gezogen.Auf glänzende Reden, wie die französische Kammer sie liefert,auf Witz und geistreiche Schärfe war es nicht abgesehen, abersichtbar war das Bestreben, nach besten Einsichten für dasWohl des Landes zu wirken, und in diesem Ernste sind Em-pfindlichkeit, verletzte Eigenliebe und andere unabwendbareSchwächen der menschlichen Natur schnell aufgegangen. Eigent-liche Parteien, eine den Kampf suchende Opposition, derenZweck ist den Gegner zu unterdrücken und ganz aus demFelde zu schlagen, war nicht vorhanden, aber freilich auch inder Auswahl, die das Land als Deputirte sendete, stellte sichdie Bildung der Zeit mit ihrer Eigenthümlichkeit, und die be-fasst Vorzüge wie Gebrechen, deutlich dar. Eine Anzahl Depu-tirte r war durchgreifenden Massregeln zuge'than; sie glaubte,man dürfe die Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen, ohne voll-ständig für die Zukunft zu sorgen, jeder möglichen Willkür denWeg zu versperren und in dem Haushalte des Staates alles bisins Einzelne fest zu bestimmen. Die Nachkommenschaft hättedann die geringere Mühe gehabt, hie und da eine bequemereAnordnung zu treffen und das System auf das Feinste auszu-arbeiten. Diese Gesinnung war gerade nicht sehr zahlreich re-präsentirt, aber sie führte am häufigsten das Wort und wusstesich geltend zu machen, indem ihrer systematischen ConsequenzVorschläge, Erwiderung und Vertheidiguug schneller zur Hand