BERICHT ÜBER EINE KIRCHLICHE COMMISSION. gl 9
Erfolg unseren Wünschen entsprechen werde;-unsere Wünscheaber gehen dahin, dass im Anfang nicht zu viel geschehe undvorerst nur der Weg geöffnet werde, auf welchem die Kirche zuder Freiheit, deren sie bedürftig ist, gelangen und zwar durcheigene Erhebung gelangen könne. Etwa wie ein Gärtner sorgteiner edlen Pflanze Luft und Sonne zuzuwenden, damit sie vondem wuchernden Unkraut nicht unterdrückt werde; ihn be-friedigt die Aussicht, dass sie aus eigenem Trieb erstarke undzu rechter Zeit Blüthe und Frucht bringe. Wir wollen dasVertrauen hegen, dass in Grund und Boden noch Kraft genugruhe. Auf der einen Seite hat der krankhafte Pietismus, wie erschwer aufliegend und den Geist der evangelischen Kirchefesselnd in einigen Gegenden Deutschlands zum Vorschein ge-kommen ist, hier nicht [Fuss] gefasst, 'wenn auch Versuche dazugemacht, dessen dürfen wir uns rühmen; auf der anderen Seiteaber, und das wiegt schwerer als jener Vorzug, hat die ent-gegengesetzte seelenlose Richtung, welche die Religion zu einerVerstandessache macht, auch unter uns in die Breite sich aus-gedehnt und neben anderem Bösen, das sie gestiftet, auch dieGleichgültigkeit gegen die Religion befördert. Ist also gegen-wärtig unter der Geistlichkeit so wenig als unter den Laienein Zustand, der fähig wäre, die Freiheit der Kirche würdigzu tragen und den Nachkommen zu überliefern, so ist der vor-hin geäusserte Wunsch gerechtfertigt. Was wir nicht wünschen,wollen wir noch ausdrücklich sagen: keine vorausgehende, imDetail ausgearbeitete, jedes mögliche Verhältnis scharf be-stimmende kirchliche Constitution. Sie würde ein Haus errichtenfür ein Geschlecht, das noch nicht vorhanden ist und dessenwahrhafte Individualität im voraus zu bezeichnen auch einemwohl abgerichteten Vorstande eine zu schwere Aufgabe seinwürde. Schenkt der Kirche Freiheit, sich selbst, wie es dashervordringende Bedürfnis fordern wird, ein Haus zu bauen,und wehrt denen, welche sie darin stören möchten; dazu ge-hört freilich auch eine angemessene, äussere Stellung der Geist-lichkeit. Hätte Philipp der Grossmüthige, die Säule der Re-formation und evangelischen Freiheit, ahnen können, dass einerseiner Enkel den katholischen Bischof weit über die Vorsteher