Druckschrift 
4 (1887)
Seite
617
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EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK. gl7

weiter. Die Grammatik ist nichts Anderes als die Entdeckungder in dem Lauf der Zeiten zu Tag gekommenen Entwickelung;sie ist eine Naturgeschichte der Sprache. Gebrauchen Sie einfremdes Wort nur aus Notwendigkeit, aus innerem Bedürfnis:finden Sie nicht gleich das einheimische, so suchen Sie erstden Gedanken auf eine andere, schlichtere Weise zu erfassen.Blicken Sie die sinnliche Welt mit scharfen Augen an, damit Siefeste Umrisse gewinnen, bevor Sie etwas beschreiben. LassenSie Klarheit der Gedanken vorausgehen, ehe Sie sie ausspre-chen. Versteigen Sie sich nicht mit Worten; auch auf den An-höhen des Geistes ist die einfache und reine Rede die beste,ohne den gleissenden Firnis sogenannter schöner Redensarten.Dann wird die Sprache immer Wahrheit und Kraft, im Ein-zelnen aber die Verschiedenheit der Geister und die Eigen-tümlichkeit eines jeden zeigen. Bedenken Sie, dass dieSprache das schönste Zeugnis von der Tüchtigkeit und Würdedes deutschen Volkes in sich schliesst.

Dies sind die Wünsche, die ich glaubte an Sie richten zudürfen, bevor ich die Erläuterung eines Denkmals des drei-zehnten Jahrhunderts begönne, welches Ihnen unsere Sprachein einem reineren und besseren Zustand zeigen wird.