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4 (1887)
Seite
575
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EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER GUDRUN. 575

und im Geschäftsstil: »wofern sich's fügen möchte«, »ich woltim ligen bi«, ich wollte seine Gemahlin werden, wie man nochheute bei fürstlicher Vermählung den Ausdruck »Beilager« ge-braucht. Die an sich wörtliche Übersetzung »lag' ich ihm gernebei« lautet heutzutage geradezu unverständig und roh; keineBauerndirne wird so zu einem jungen Mann reden. Das Fol-gende »wenn du mir wolltest singen am Abend und am Mor-gen«, ebenfalls wörtlich, ist zumal in diesem Zusammenhangunerträglich, als sollte er ihr Abends und Morgens dazu sin-gen, wenn sie bei ihrem Manne liege. Sie will sagen: »ich willseine Gemahlin werden, wenn ich deinen Gesang nicht ent-behren soll, wenn ich ihn hören soll, so oft ich es verlange«;denn das heisst »am äbent und am morgen«, nicht ist es wört-lich zu verstehen. Wenn Horand nun erwidert »daz tuon ichgerne, des sit an aller slahte sorgen«, das will ich mit Freudenthun, des könnt ihr gewiss, davon könnt ihr überzeugt sein,so macht die ohnehin ganz trivial lautende Übersetzung »dasthue ich gerne; darüber seid nur durchaus ohne Sorgen« mireinen völlig komischen Eindruck. Als wenn man im Conver-sationsstil sagt: »machen Sie sich keine Gedanken; es wird schonalles gut gehen«.

Sie sehen, was ich einzuwenden habe; es geht mit einer

solchen Übersetzung nicht. Wie kann man hoffen auf diese

Weise den Geist zu fassen? Und bei dem Nibelungeliede geht

es noch eher, wo der Ausdruck minder zart und ausgebildet ist.

Für uns ist diese Arbeit unbrauchbar.

Zur Vergleichung noch die Uebersetzung von San Marte(S- 51):

Es lohne Gott ihm das Vertrauen,

Die Huld, die er mir zollt.

Könnt' ich von Angesicht ihn schauen,

Ich glaub', ich war' ihm hold.

Ja, schon des Dieners willen

Zog' ich zu ihm, wenn so dein Mund

Mir Lieder sang' zu jeder Stund',

Die Tönelust zu stillen.Diese Uebersetzung ist wenigstens ganz modern und hatnoch etwas Zucker für die Liebhaber dieses Geschmacks dar-