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4 (1887)
Seite
570
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570 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER GUDRUN.

fällen gelangt, kann man aus dem sehen, was Mone (Quellenund Forschungen 1830 S. 97108) vorgebracht hat. Wer magüber ausgeblasenen Eiern brüten? Ich halte nicht das Ge-ringste wahr von allem, was er sagt.

Wir haben noch die Heimath des Gedichtes zu suchen.Dass der zweite Theil im Norden und bei den Angelsachsenbekannt und einheimisch war, beweisen die Zeugnisse, aber an-dere zeigen, dass er auch Deutschland zugehörte. Vorzugsweiseaber scheint das Gedicht dem nördlichen Deutschland eigen ge-wesen zu sein; denn da ist der Schauplatz der Ereignisse, Hol-stein, Friesenland, Dietmarsen. Einem wie mit dem Meer undder Seefahrt, so mit dem Leben der Seefahrer vertrauten Volkgehört es an. Es bildet insoweit einen Gegensatz zu demNibelungelied, das an den Rhein gebunden ist und des Meersnur bei Siegfrieds Fahrt gedenkt. Deshalb bilden auch hierDänemark, Irland, Norwegen und die Normandie den weiterenSchauplatz. Der Wulpensand, auf dem so heftig gekämpft wird,findet sich auf der Karte von dem alten Holland verzeichnet,der in Warnkönigs flandrischer Staats- und Rechtsgeschichtebeigegeben ist. Mau darf sich nicht wundern, dass einem see-fahrenden Volk Indien, Arabien, Mohrenland (Mauritanien) be-kannt ist. Die Sprache aber ist die oberdeutsche, und dieAuffassung könnte mit den Nibelungen gleiche Heimath haben.

Eine Verschiedenheit zwischen der nordischen und deut-schen Auffassung muss ich hervorheben. Der Sänger Horandin dem zweiten Theil ist, wie ich schon bemerkt habe, eineHauptperson, oder vielmehr es ruht auf ihm, wie auf Volkerin dem Nibelungeliede, ein besonderer poetischer Glanz. DieserHorand erscheint weder bei Saxo srrammaticus noch in derEdda :sie scheinen ihn nicht zu kennen. Dass er aber alt ist in derdeutschen Sage, folgt allein schon aus dem angelsächsischenZeugnis.

Ich will schliesslich noch den poetischen Werth unseresGedichtes berühren. Die drei Theile sind lose mit einanderverknüpft. Der erste lässt sich am leichtesten ablösen; der zweitesteht zu dem dritten insoweit in passendem Verhältnis, als erden Übergang aus der Heldenzeit in das tiefere Leben der Seele