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4 (1887)
Seite
562
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562 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER GUDRUN.

ihn weiter singen zu heissen. Sie wird von seinem Liede sobewegt, dass sie den Sänger zu sich rufen lässt, und er erhältjetzt Gelegenheit, Hetels Werbung anzubringen. Sie willigt zueiner Entführung ein. Hagen, der von der Gefahr nichts ahnt,erlaubt ihr die Gäste, bevor sie abfahren, auf ihrem Schiffe zubesuchen. Dort wird die Mutter von der Tochter geschieden.Die Fremden spannen die Segel auf und führen die Braut nachHegelingen. Hagen verfolgt die Räuber, und es erhebt sichein gewaltiger Kampf. Hetel wird verwundet, aber Wate be-steht den König Hagen, und es kommt zu einer Versöhnung.Hilde wird zu Hegelingen als Königin gekrönt, und Ha^enkehrt heim.

(III.) Die beiden vorangehenden, wie man sieht, nur leichtmit einander verknüpften Sagen können als Einleitung zu demeigentlichen Gedicht betrachtet werden, das jetzt beginnt unddas Schicksal der Gudrun darstellt. Hetel hat von Hilde zweiKinder, Ortwin und Gudrun. Jener wird von Wate erzogen,diese von ihren Verwandten in Dänemark. Gudrun wird dasVorbild aller Schönheit und Tugend. Als sie herangewachsenist, wirbt Siegfried, König aus Mohrenlanden, vergeblich um sie.Dann sendet Hartmut, König von der Normandie, seine Boten,die um sie anhalten sollen, aber sie werden abgewiesen. Hart-mut kommt unerkannt an Hetels Hof und gibt sich der schönenGudrun zu erkennen; sie heisst ihn fortgehen, obgleich sie ihmnicht abgeneigt ist. Er sinnt, wie er in ihren Besitz gelangenund, ohne ihre Gunst zu verlieren, an Hetel Rache nehmenkönne, wozu ihn seine Mutter Gerlind antreibt. Indessen hatteein dritter Freier, König Herwig, Hetels Nachbar, um Gudrungeworben: sie war auch ihm verweigert worden, und er ziehtmit einem Heer heran. Ein Kampf beginnt, den Gudrun scheidet,die jetzt dem Herwig zugesagt wird. Als Herwig von demzurückgesetzten Freier, von jenem König Siegfried, überfallenwird, erhält er Beistand von Hetel; allein der verschmähte Hart-mut erspäht die Abwesenheit von Gudrunens Vater, kommt mitgrosser Macht, zerstört Hetels Burgen und Land und führtGudrun und Hildeburg von Portugal, die Gefährtin ihrer Mut-ter, fort nach dem Wulpensande. Die Mutter sendet Boten an