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4 (1887)
Seite
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EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER GUDRUN.

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die aus diesen Verknüpfungen erwachsenen neuen Verhältnisseund Zustände zu unterscheiden, und müssen sie als nicht ur-sprünglich anerkennen: wir gelangen damit zu einer reinerenGestalt. Allein auch jene frühere eddische Darstellung zeigt,wenn wir sie'aus sich selbst beurtheilen, schon Änderungen,Zusätze, Lücken. / Wir müssen also auf eine noch reinere Bil-dung der Sage zurückschliessen, aus welcher die eddischenLieder hervorgiengen. Dieses Verhältnis ei'scheint bei aller Sage;die älteste und reinste Gestaltung, die sich erhalten hat, sieweist auf eine noch ältere, reinere, zusammenhängendere, ein-fachere. Aber zu dem Anfangspunkt der Sage gelangen wirniemals. Es verhält sich also auch hier wie bei der Sprache,dem Recht, der Mythologie, wie bei allem, was ein Abbild desmenschlichen Geistes ist, der überall seinen göttlichen wie seinenirdischen Ursprung in der unbegreiflichen Mischung, die ihmeigen ist, offenbart: das älteste Denkmal zeigt uns noch nichtdas Ursprüngliche; wir nähern uns ihm nur gradweise, indem wirimmer weiter zurückgehen. Was wir ursprünglich nennen, be-zeichnet bloss die Grenze, bis zu welcher wir gelangen; diesenäussersten Punkt erreichen wir durch Schlüsse, die wir aus demältesten Denkmal auf seine Quelle machen. Das Nibelunge-lied des dreizehnten Jahrhunderts wird sich zu dem Epos, das dieGothen besessen haben, verhalten, wie sich die Sprache desdreizehnten Jahrhunderts zu der gothischen des Ulfilas verhält.Wie eine Ursprache unergreifbar im Hintergrund schwebt undsich nur ahnen lässt, so liegt eine Ursage hinter allen auf unsgekommenen Denkmälern: unseren Blicken erscheint sie nur inbeständigen Umwandelungen. Eins aber ist g ewiss, so ü ber-raschend es auch denen sein ma g,_ welche den jmjenschlichenGeist nur nach seinem gegenwärtigen Zustand zu beurtheilengewohnt sind, wir linden ein langsames, aber unaufhaltbaresHerabsinken wie bei der Sprache, so auch bei dem Epos. Esgleicht einem Baum, aus dem immer neue Äste wachsen, derseine Natur zwar im Ganzen und Grossen bewahrt, aber immerehre neue Gestalt annimmt, seine Spitze in die Höhe treibt, biser sein Ziel erreicht hat. Auch darin bleibt das Gleichnis wahr,dass der Sage im Fortgang der Zeit einzelne Äste absterben

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