Druckschrift 
4 (1887)
Seite
522
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522 UNBEKANNTES GEDICHT VOM ROSENGÄRTEN.

wie in den Bruchstücken. Abgesehen von der eingetretenenVerderbnis halte ich A für die älteste Auffassung, weil sie dieeinfachste ist und weil der Grundgedanke, Siegfried und Diete-rich gegenüberzustellen und diesen zu verherrlichen, darin ambestimmtesten ausgedrückt ist, dann auch, weil die einzelnenKämpfe nach der Regel der Volksdichtung geordnet sind, worübersoo die Einleitung zu C S. LXXII nachzusehen ist. Die Ein-mischung Etzels in D und C ist störend; neben ihm erscheintDieterich nicht mehr als der Mittelpunkt, als der Held des Ge-dichts, was er doch sein soll, vielmehr in Abhängigkeit vonihm, wie in der Dietleipsage. Rüdeger musste gleichfalls hinein-gezogen werden, weil sonst kein namhafter hünischer Kämpferin dem Rosengarten aufgetreten wäre. Nudung vertritt seineStelle, aber nicht als sein Sohn, sondern als ein VerwandterDieterichs, weil er hier zu dessen Recken gehören muss. DieBeschreibung der einzelnen Kämpfe weicht völlig ab, und dieBruchstücke haben nicht eine Zeile mit AC und D gemein-schaftlich, während sich in diesen, wie abweichend sie untersich sind, solcher nicht wenige finden. Dort sind die Be-rufungen auf ein Buch oder auf die mündliche Überlieferunghäufig, fehlen aber hier.

Unsere Bruchstücke (F) setzen, wie ich glaube, nicht blossA, sondern auch D voraus; denn daher kann nur Herbort vomRhein und Alfart genommen sein, die bei den Übrigen (nurHerbort in E, ohne Zweifel aus D) nicht erscheinen. Erweitertwird der Inhalt des Liedes durch die Einmischung eines all-gemeinen Kampfes zwischen den rheinischen und Berner Helden,den Hagen anstiftet. Er will Rache nehmen wegen des Todesseines Vaters, den er doch dem Mönch verziehen hat, und wirftdie Schuld auf die Mordlust der Kriemhilt. Deshalb forderter die rheinischen Helden auf (302) und kommt mit hundertseiner Mannen. Der Gedanke ist nicht glücklich, da nach derAnlage des Gedichts die Oberherrschaft Gibichs oder Dieterichsnur durch Zweikämpfe soll entschieden werden. Veranlassunggab wohl der Umstand, dass in A und D Dieterich und Etzelbei dem Zug nach Worms von einem grossen Heer begleitetwerden, das sich aber nicht einmischt. Vielleicht setzte man