DER ROSENGARTEN. 503
Diese drei Handschriften sind völlig von einander unab-hängig. Sehr häufig weicht jede in einzelnen Worten und inder Stellung der Worte ab: jede gewährt bessere und schlech-tere Lesarten; jeder fehlen einzelne Zeilen und ganze Strophen,jede hat ihrer mehr. Was hier allein vorkommt, habe ich mitSternen ausgezeichnet; was hier fehlt oder in anderer Folgesteht, lässt sich aus der Hinweisung auf die Zählung bei Hagenleicht abnehmen.
Das Gedicht beruft sich, wie andere zu dem Volksepos ge-hörige, nicht selten sowohl auf mündliche Überlieferung als aufein Buch. Das mag öfter blosse Ausfüllung sein, aber eineWahrheit muss zu Grunde liegen. Die Volkssänger werdendas Gedicht wohl auswendig gewusst haben, aber durch eineAufzeichnung ihrem Gedächtnis zu Hülfe gekommen sein. Indiesen Büchern mischte sich die mündliche Überlieferung immervon neuem mit der geschriebenen Quelle und dem, was einjeder aus eigenen Mitteln hinzuthat und nach der verschiedenenBegabung gut, erträglich oder ganz schlecht ausfallen konnte.Von der ursprünglichen. Dichtung werden sich die Sänger, zu-mal ihr Stand immer tiefer sank, weit genug entfernt haben,und so lange nicht eine ältere und reinere Quelle zum Vor-schein kommt, ist an eine Herstellung oder kritische Ausgabenicht zu denken. Wilhelm Grimm.