BRUCHSTÜCKE EINER BEARBEITUNG DES ROSENGARTENS. 477
befinden sich auf der Berliner Königlichen Bibliothek. Fast aufjeder Seite stehen grössere Federzeichnungen in Umrissen, etwain dem Geschmack der Holzschnitte zum Theuerdank, nur vielschlechter. I II und III gehören zusammen, dann IV und V,VI steht allein. Wie gross die Lücken dazwischen sind, lässtsich nicht sagen: was erhalten ist, gehört etwa in die Mitte desGedichtes. Die Handschrift ist wahrscheinlich im Jahre 1533geschrieben; denn diese Zahl befindet sich auf dem Bilde vonVI. Ob die Abfassung des Gedichtes älter ist, steht dahin. Esist mit der rohsten Orthographie geschrieben, doch ziemlichfehlerlos.
Eine Erzählung der Begebenheiten kommt nicht vor; es sindlauter Gespräche der hier auftretenden Personen. Gibich undder alte Hildebrand ermuntern ihre Helden zum Kampfe. Die 253meisten sind bereit; einige machen Schwierigkeiten, nehmenaber schliesslich den Vorschlag an. Nach dem Kampf folgtwieder eine Unterredung, aus der man den Erfolg ersehen kann.Von Etzel und Rüdiger ist keine Rede; ihre Theilnahme an demZuge Dieterichs, von dem C und D berichten, hat also nichtstattgefunden.
Bei den Persönlichkeiten ist einiges Eigenthümliche zu be-merken. Gibichs Helden werden sämmtlich Riesen genannt, alsoauch Walther (19), Volker (104) und Hagen (216); dabei sindsie Grafen und Herzoge. Schrutan sogar ist ein König (129):ihm sind zwei Schwesterkinder erschlagen; in den älteren Ge-dichten sind Pusolt und Ortwin seines Bruders Kinder. Heimeheisst Heimb von Schoffoi Soffoi, womit wohl Savoyen gemeintist. Er hat auch hier anfangs nicht Lust, den Kampf anzu-nehmen, und Schrutan nennt ihn einen Knaben, der noch indie Schule gehen müsse (214—219). Der getreue Eckhart wirdLandgraf von Elsass genannt (244). Eine neue Gestalt ist OtnitGraf von Mantua (129. 131), womit wohl Otnit von Lampartengemeint ist.
Schon in den älteren Gedichten sind die Zweikämpfe ver-schieden geordnet; in allen steht Heime dem Schrutan gegen-über, und das ist auch hier beibehalten. Walther kämpft mitDietleib wie in ABC, dagegen in D mit Härtung; Eckhart mit