444 r>IE SAGE VON POLYPHEM.
den Knaben zu haschen, aber vergeblich. Dieser hatte einemWidder die Haut abgestreift, über seinen Leib gezogen undsich unter die vielen Schafe gemischt, die in der Höhle waren.Der Tag war inzwischen angebrochen; der Riese rückt diePlatte von der Öffnung weg und fängt an, die Schafe zu locken,damit eins nach dem anderen herausspringe. Der Knabe kommtauch heran; der Riese packt ihn und wirft ihn unter die übrigenhinaus. Jetzt ruft dieser ihm zu: »Suche mich nicht weiter;ich bin draussen.«
Der Riese reicht dem Knaben einen Stab heraus undspricht: »Nimm den Stock, die Herde damit zu treiben; dennohne ihn wirst du kein. Schaf von der Stelle bringen«. DerKnabe erfasst den Stab; aber wie er ihn berührt, bleibt einFinger daran haften. Der listige Knabe springt um den Riesen15 hin und her, damit er ihn nicht packen kann. Es fällt ihmein, dass er sein Schnappmesser bei sich trägt. Damit schneideter sich den am Stock haftenden Finger ab und macht sichglücklich von dem Riesen los, den er verspottet und verlacht,während er die Herde vor sich hintreibt. Der Riese läuft hinterihm her, und sie gelangen an einen grossen See: der Knabespringt um ihn herum, pfeift und spottet. Als der Blinde amRand des Wassers steht, läuft der Knabe hinter ihn und stösstihn hinab, so dass er ertrinkt. Dann treibt er die Herde ruhignach Haus.
6. Eine rumänische Sage ist eben erst von Franz Obert(Ausland 29, S. 717) in Siebenbürgen aufgezeichnet worden.
Ein Mann schickt seine drei Söhne mit der Schafherdeaus und gebietet ihnen, wenn jemand sie Nachts anrufe, keineAntwort zu geben. Sie hören in der Nacht eine Stimme, dieruft: »Ihr Jünglinge!« Der Jüngste will antworten, aber derÄlteste erinnert ihn an das Verbot des Vaters und lässt esnicht zu. Über eine Weile ruft's zum zweiten Mal: »Ihr Jüng-linge!« Der Mittlere spricht: »Lasst uns antworten«, und derAltere gibt nach. Als es zum dritten Mal ruft, antworten alledrei: »Hier sind wir!« Es kommt ein Riese heran und ruftihnen zu: »Bratet euren fettesten Hammel für mich; denn ichhabe grossen Hunger«. Als der Hammel gebraten ist, ver-