356 SPANISCHE MÄRCHEN.
214 und Speisen herbeitragen. Die Mädchen dürfen von alleinessen, nur von dem Obst nicht. Die zwei ältesten essen undsterben; die jüngste isst auch davon, aber da es gerade an demTag geschieht, wo der Zauber aufhört, so bleibt sie am Leben,und der König vermählt sich mit ihr.
18. Ein Spieler verliert seine Seele, und der welcher siegewonnen hat, befiehlt ihm in eine Burg von Gold zu gehen,wo sich ein schwarzer Saal befindet mit gelben Kerzen undzwei Bildsäulen, die ihm mancherlei Proben auflegen. Einigebesteht er durch die Hilfe dreier Tauben, doch zuletzt werfenihn die Eiesen in ein Feuer, so gross wie ein Feuer, das nichterlischt.
19. Ein alter Diener des weisen Salomon hält sich aus,dass dieser ihm drei Lehren gebe, womit er ihm den Lohnfür seine Dienste auszahlen solle. Salomon gibt ihm ein Brotund folgende drei Lehren: »was nicht deinetwegen brennt, daslass brennen; verlass nicht den Fahrweg, um einem kürzerenNebenweg zu folgen; was du heute thun willst, das verschiebauf morgen.« Die beiden ersten Lehren retten ihm das Leben,die dritte bewirkt, dass er seinen Sohn nicht tödtet. Dieserwar ein Geistlicher, der am folgenden Tag die Messe sang.Während des Essens nimmt der Vater das Brot, und als er esanschneidet, findet er darin die Goldstücke, die ihm Salomonschuldig war. Dieses merkwürdige Märchen, dessen ausführ-licher Inhalt sehr willkommen wäre, stimmt im ganzen mit demlateinischen Rudlieb und dem cornwallisischen Ivan (Haus-märchen 3, S. 311—313) überein. Die zweite Lehre, den Fahr-weg nicht zu verlassen, ist allen gemein, die dritte, »was duheute thun willst, das verschieb auf morgen,« lautet deutlicherim Rudlieb: »verschiebe jede Rache über Nacht« (vgl. Thier-fabeln bei den Meistersängern S. 18 [s. unten S. 386]).
20. Ein maurischer König erhält von einem spanischenKönig einen Rosenstock, bevor er blüht, und da er nur Dornensieht, so rächt er sich damit, dass er ihm ein Obst sendet, dasin seinem Himmelsstrich giftig ist, in die spanische Luft ver-pflanzt, schmackhaft und gesund wird.
21. Man hat eine Sage von einem Mann, der seinen