354 SPANISCHE MÄRCHEN.
singenden Knochen (Hausmärchen No. 28), führt Milä (S. 176)noch ein schönes Volkslied an.*) Wie in der schottischen undserbischen Erzählung wird hier von dem Arm und den Haarender getödteten Schwester eine Harfe gemacht, welche die Ün-that verräth; es wird darin angenommen, die ältere Schwesterhabe die jüngere ermordet, um deren Bräutigam zu erlangen.Da Wolf es übergangen hat, lasse ich hier eine Übersetzungfolgen.
Es kamen zwei Wanderer und fanden den Leichnam.Nahmen die Arme des Mädchens und machten daraus eine Harfe:Nahmen ihre blonden Haare und machten daraus Saiten.Giengen zu einem nahen Haus, wo man eine Hochzeit feierte:Stellten sich an die halboffene Thür und Hessen die Töne der Harfe
erklingen.Die erste Saite sagte: »die Braut ist meine Schwester,«Die zweite Saite sagte:**) »der Bräutigam ist [war] mein Geliebter.«Die Braut ward roth wie eine glühende Kohle, »die Harfe schmäht
mich.«Die Braut ward roth wie Blut, »ich mag die Harfe nicht hören.«Die vierte Saite sagte: »die Harfe wird nicht schweigen.«Die Braut geht sich in das Bett zu legen.Die Harfe tönt stark, und das Herz der Braut bricht vor Schmerz.
Auch die elf Bruchstücke hat Wolf nicht aufgenommen.Da sie für uns von Werth sind, so will ich ihren Inhalt an-geben.
10. Ein Mädchen giebt einer Katze eine Leber zu fressen,die sie zubereiten sollte, geht dann auf den Kirchhof und holt213 die Leber eines Verstorbenen. Erzürnt darüber, kommt derTodte zur Zeit, wo alle zu Bett liegen, und ruft mit hohler unddumpfer Stimme in dem Mass, in welchem er näher kommt:»Marieta, Marieta, schon bin ich auf der ersten Stufe der Treppe,schon bin ich auf der zweiten, schon bin ich auf dem Treppen-absatz, schon bin ich an dem Fuss deines Bettes.«
*) [»Zu Zs. 11, 212« hat Reinhold Köhler Zs. 23, S. 88-90 mit einemNachtrag S. 344 Wilhelm Grimm einen eigentümlichen Irrthum nachgewiesen.Ich lasse mit seiner Erlaubnis beide Zusätze am Schluss des obigen Aufsatzesfolgen.]
**) [S. Haupts Zeitschrift 23 S. 89 No. 1.]