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4 (1887)
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292 ZUR GESCHICHTE DES REIMS.

676 Es ist leicht zu begreifen, dass nicht jeder sich dem Zwang

156 dieses .Reims unterwarf, selbst nicht zu der Zeit, wo er in seinerhöchsten Blüthe stand. Dahin gehört der Dichter des Isegrimusaus dem Anfang und des Reinardus aus der Mitte des zwölftenJahrhunderts (so wird ungefähr ihr Alter bestimmt), die beidein Distichen abgefasst sind. Ferner Günthers Ligurinus inHexametern vom Jahr 1200*) und ein Versuch, den Eingangvon Wolframs Wilhelm zu übersetzen, aus dem dreizehntenJahrhundert (bei Lachmann XLIII. XLIV). Die Distichen desPoenitentiarius (Reinhart Fuchs 397) zeigen aber häufig denReim und zwar den einsilbigen; stände nicht ein anderer Grundentgegen (vgl. Reinhart CLXXXV), so müsste man glauben,das Gedicht sei nicht in das dreizehnte Jahrhundert zu setzen,sondern bedeutend älter.

Hier ist einer besonderen Erscheinung zu gedenken, diemit dem leoninischen Reim in einem gewissen Zusammenhangsteht, aber zugleich auf das einfache Reimpaar, von dem hernachdie Rede sein wird, hindeutet. Man band nämlich, wiewohlziemlich selten, zwei Hexameter oder ein Distichon bloss mitEndreimen. Zwar fanden sich schon bei den Klassikern manch-mal zwei Hexameter auf diese Weise vereinigt, aber hier isteine absichtliche und regelmässige Durchführung gemeint. Dasmerkwürdigste Beispiel liefern die Distichen des schon im elftenJahrhundert gedichteten Luparius (Reinhart Fuchs 410), dervielleicht noch älter ist**); denn wir begegnen darin nur ein-silbigen, aber genauen Reimen. Ich will die vier ersten Distichenanführen,

Sepe lupus quidam per pascua leta vagantes

arripuit multas opilionis oves.ledere raptorem postquam virtute nequivit,

illaqueare dolo pastor eum studuit;nam rigidam flectit tanto conamine quercum,

ut caput illius tangere possit humum,et capiti flexo laqueus sie nectitur unus,

mobilis ut laqueum detineat baculus.

*) « Ligurinus ist unecht. *

**) * Gervinus Geschichte der deutschen Dichtung S. 136 Anm. fragt »vonMarbodius?«. Endlicher Codd. Vindob. 1, S. 171. «