ZUR GESCHICHTE DES REIMS. 271
Es müssen Gedichte von einigem Umfang sein, wenn dar-aus ein Schluss soll gezogen werden: bei denen, welche in diekarlingische Zeit fallen, zeigt sich der Reim nicht anders alsbei ihren Mustern, den altrömischen.
Alcuin (geb. 735, gest. 804) wendet den einsilbigen nichthäufiger an als jene, den zweisilbigen noch seltener. Das Ge-dicht De conversione Saxonum (Froben 2, 615 b ), wo der ein-silbige vorherrscht, kann von ihm nicht herrühren, wie man esihm auch nur zweifelnd beilegt, sondern gehört in spätere Zeit.
In gleicher Reihe stehen Hraban (geb. 776, gest. 856) undsein Schüler Walefried Strabo (geb. 807, gest. 842), bei denenich ein weiteres Vordringen des Reims keineswegs bemerkenkann. Im Hexameter zeigt er sich in den verschiedenen Ab-stufungen, die wir kennen. Bei Walefried (Canisii lectionesantiquae II 2, 185—284 Basnage) hebe ich nur den vierfachenheraus,
(g) S. 209 ille ferox rapaxque minax mendaxque sagaxque.246 olfaetu auditu gustu speculamine tactu,
und einen fünffachen, wo jedes Wort ihn trägt,
S. 201 sobrius ornatur iocundus cautus honestus. 657
1 ST
Der zweisilbige im Hexameter ist mir bei Hraban nicht be-gegnet, bei Walefried nur einige Male,
(a*) S. 250 sit dominus tecum, semper tua gratia mecum.(b*) 189 continuo redeunt gaudentes atque timentes.
193 sola tibi, veniam cunctorum praesto malorum.Ähnliche und mit dem Genit. Plur. gebildete S. 199. 202. 210.Im Pentameter kommt bei Hraban (Opera 6) zwar der zwei-silbige vor, doch selten genug,
(a*) S. 2031) Cordnba quem genuit: Afriea quem tenuit.
203 h mundum fine capis, lumen et arce dabis.
204 f praesul in aede dei, sis memor ipse mei.208 h et modo qui fuimus iam modo desinimus.
bei Walefried, der aber die Distichen seltener als Hraban an-gewendet hat, nur(a*) S. 251 quae tibi quando fero centuplicata gero.
Da in Walefrieds zahlreichen Gedichten der Reim unhäufigist und man ihn in längeren Stellen vergeblich sucht, so über-