270 ZUR GESCHICHTE DES REIMS.
(n*) 21 impendens aliis, ora parata aliis.32 crede mihi fieri vel mihi non fieri.34 vel gaudere nimis vel modo flere nimis.
Von diesen drei rührenden Reimen gehört nur der erste zu denunerlaubten; in dem zweiten ändert die Verneinung den Begriff,und in dem dritten ist die Partikel statthaft.
(s) 21 nolo tuos hircos, nolo tuo vitulos.
Dieser Drang zum Reim im Gegensatz zu den übrigen Ge-dichten des Orientius, wie die auffallend höhere Gewandtheitin den Gedanken und im Ausdruck legen es nahe, das Com-monitorium als ein untergeschobenes, in viel späterer Zeit ver-fasstes Gedicht zu betrachten. Dass Orientius sich am Schlussselbst nennt, vergrössert den Verdacht, und das Zeugnis, wel-ches Martene (S. 18) aus dem Sigebert von Gemblours, der in656 das elfte Jahrhundert gehört, beibringt, hat kein Gewicht, da136 es aus dem Gedicht genommen ist. Übrigens hat man dieEchtheit auch schon aus anderen Gründen angefochten, vgl.Bahr Suppl. 1, 72.
Als ältestes Zeugnis für den leoninischen Reim (vgl. Santenzum Terentianus Maurus S. 216. 217) gilt gewöhnlich die In-schrift an einer von Belisarius in der Mitte des sechsten Jahr-hunderts erbauten Kirche zu Rom, die Baronius Annal. ad a. 538bekannt gemacht hat,
Hanc vir patricius Vilisarius, urbis amicus,
ob eulpae veniam condidit ecclesiam.hanc ideirco pedem sacram qui ponis in aedem,
ut miseretur eum, saepe precare deum.
Der Reim ist zweisilbig und genau, im ersten Hexameter drei-fach: aber zwei Distichen, die der Form nach bei den classi-schen Dichtern schon möglich gewesen wären, können nichtals Anfangspunkt gelten, wobei ich noch voraussetze, dass dieInschrift nicht etwa in späterer Zeit ist zugefügt worden. Ein-zelne Distichen (vgl. Schlich S. 60 — 63) kommen noch wenigerin Betracht, wie etwa die Inschrift auf einem Estrich vomJahr 787,
Sancte memento deus, quia condidit iste Datheus,hanc aulam miseris auxilio pueris.