296 Z U R GESCHICHTE DES REIMS.
des habet ir von schulden gröezer reht dan e:weit ir verneinen, ich sage iu wes.wol vierzec jär hab ich gesungen oder nievon minnen und als iemen sol. usw.
Freier behandelt Gottfried von Neifen die Pausen und häuftzugleich die Schwierigkeiten. In fünf achtzeiligen Strophen(8, 22) entspricht das erste Wort der ersten Zeile dem letztenam Schluss der Strophe; ausserdem ist der Reim, doch nur indiesem Lied, ein rührender. Ich wähle als Beispiel die zweiteStrophe:
Bar min herze ie bernde wunne,
daz was swenne ich sach ir wunneclichen schin
unde ir ougen sam der sunne
dar min ougen liuhten in daz herze min.
dar nach wart mir leit in kurzen stunden.
owe Minne wunden!
wie hast du sus dich min underwunden
daz ich sender siecher bin noch fröiden bar.
In einem anderen Lied (9, 26) ist der Reim ebenso gestellt,nur, da die Strophen aus elf Zeilen bestehen, noch weiter aus-einandergerückt, wobei jede Wirkung aufhören muss. Ich be-merke die weiteren Verschiedenheiten: in fünf vierzehnzeiligenStrophen (32, 14) trägt die erste Silbe der zehnten Zeile denersten Reim, so dass er von dem Schlussreim nur durch dreiZeilen getrennt ist. In drei zehnzeiligen Strophen (43, 26) ent-hält die vierte und letzte Zeile die Pausen, in zwei siebenzeiligenStrophen (46, 17) die dritte und siebente. Aber Gottfried er-laubt sich auch die Stellung des ersten Reims zu ändern, inzwei neunzeiligen Strophen (die dritte ist unvollständig) stehensie (14, 8) in der ersten und letzten Zeile, aber der erste Reim
585 ist in die zweite Silbe vorgerückt, Sich hat: rät. Wie kan : gran.
65 Sodann nimmt er in zwei zehnzeiligen Strophen (42, 1) diedritte Silbe ein, Sumer, din: min. Frouwe, ir sitrlit. Fernerdie vierte Silbe in fünf elfzeiligen (4, 1) und drei zwölfzeiligenStrophen (47, 10), Owe, winter, din: schin usw. Nu siht mandie: hie usw. Endlich die fünfte Silbe in fünf neunzeiligenStrophen (38,26), Sumer, un wil din: min. Wil si daz michleit (Subst.): leit (Verb.). Ach wie ist so gar: bar usw. Lichten-