298I. Abschn. Verwaltende Polizey.Die Eingeweide bey Personen, die durch Kälte umgekommensind, findet man im Allgemeinen röther, als im natürlichen Zu-stande. Es scheinet, daß das Blut von außen mehr zurück nachden innern Theilen fließe. Die Gefäße des Gehirnes erscheinenvor andern überfüllt. Man hat auch manchmahl Blut=Ausgießun-gen in den Höhlen des Körpers angetroffen.Die Gliedmaßen sind steif, und man kann sie, wenn der Todschon einige Zeit zuvor erfolgt war, nicht mehr so wie bey jenen,welche so eben erst gestorben sind, beugen und krümmen. DasFleisch ist schlapp, weich, und zerreißt sehr leicht, sobald selbesden Wärme=Grad einer gemäßigten Atmosphäre erreicht hat.Die Hauptsache, worauf es bey Behandlung der Erfroruenankommt, ist ohne Zweifel, daß man sie erwärme; allein nichtbekannt genug ist es, daß dieses nur allmählig durch unmerklicheGrade geschehen muß; denn ohne diese Vorsicht und Behutsamkeitwürde man schnell eine Auflösung der Säfte, und den Brand inverschiedenen Theilen des Körpers hervorbringen.Das erste ist, daß man den Körper in eine gute Decke hülle,und ihn so schleunig, als möglich, in das nächste Haus bringe;darauf entkleidet man ihn schnell, und bringt ihn zu Bette, dasaber nicht erwärmt seyn darf, bis man ein Bad bereitet hat,welches aber so geschwinde als möglich geschehen muß; dieß kannnicht lange brauchen, weil das Badewasser nur beynahe warm seyndarf, wie ungefähr so eben geschöpftes Wasser aus einem Brunnenist, im Falle sich keiner im Hause befände; man sieht ein, daßwenn man den Menschen in ein solches Bad setzt, zu einer Zeit,wo das Wasser im Freyen durch die Kälte der Luft tief gefrorenist, man ihn alsdann in ein nur um etwas weniger kaltes Mittelbringt, als jenes war, in welchem er sich vorher befand. Mangießt dann nach einer Zwischenzeit von zwey bis drey Minuteneine gewisse Menge warmes Wasser in das Bad, um ihm nach undnach und langsam seine Kälte zu benehmen, bis die Wärme des-selben auf den zehnten, zwölften, fünfzehnten, achtzehnten undendlich zwanzigsten Grad des Reaumurischen Wärmemessers erhöhetist; zu dieser Erhöhung der Wärme muß man ungefähr drey Vier-telstunden verwenden; man kann sie auch bis zum fünf und zwan-zigsten Grade treiben, wenn in den Puls Leben zurückkehren sollte.
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