Druckschrift 
Th. 1 (1811)
Entstehung
Seite
293
Einzelbild herunterladen
 

III. Cap. §. XXXVII. Maßregeln gegen körperliche Verletzungen. 293gesehen, bey denen die Wege des Athmens durch einen schleimigen,sehr festen Stoff verstopft waren, der eine lederartige Fähigkeitbesaß, in laulichem Wasser aber sich auflößte. Von diesem mehroder weniger zähen und schäumenden Stoffe muß man sie alsobefreyen; das wirksamste und einfachste Mittel hiezu ist das Ein-blasen der Luft in die Brust der Neugebornen, es sey nun, daßman seinen eigenen Mund auf des Kindes Mund legt, oder diesesvermittelst eines Röhrchens bewirket. Auf diese Art wird der schleimige Stoff, womit die Luftröhren=Aeste angefüllt sind, losgeson-dert, durchbrochen und verdünnt, und der Damm gehoben, welcherdem Einströmen des Bluts in die Lungen, die sich nun ausdehnen,entgegen war. Das erste Einathmen ist also erleichtert, die Lun-genadern überkommen nun dasselbe Blut, bringen es in das Herzder Kreislauf geht wieder vor sich, und das Kind beginnt ein Leben,das es vielleicht nie würde gekannt haben.Um dieses erste Athmen zu erleichtern, muß man auch die Schleim-haut des Neugebornen mittelst des Barts einer Feder reitzen, oder ihmeinen reitzenden Geist in die Nase blasen; die Reitzung der Schleim-haut der Nase bringt selbe auch im Zwerchfell hervor, wodurch dieseszusammen gezogen und das erste Einathmen bewirkt wird. EinigeTropfen frisches Wasser in das Gesicht gespritzt, während man denübrigen Körper mit einem trockenen Leintuche reibet, können auchvon guten Folgen seyn.Diese Art Neugeborne, welche todtgeboren scheinen, zu behan-deln, ist von glücklichen Erfolgen gekrönt worden.d) Behandlung vergifteter Personen.1) Aus Beobachtungen ist erwiesen, daß es in unsern Ländernkeine so giftigen Thiere gibt, die denjenigen Personen, welche vonihnen gebissen oder gestochen worden, den Tod verursachen könnten,es sey denn, daß ein fremder Zufall sich beygesellte; da sie indessenmehr oder weniger heftige Zufälle veranlassen, so muß man daspassendste Mittel, um selbe zu stillen, gebrauchen; man muß dahersogleich erschlaffende und anfeuchtende örtliche Mittel, als Brey-Umschläge aus den vier Mehl=Arten oder aus Brodkrumen anwen-den, und bisweilen den leidenden Theil mittelst der Lancette odermittelst Blutigel entleeren; bisweilen hat man auch mit gutemErfolge einige Tropfen ätzenden Salmiak=Geist darauf gegossen.