III. Cap. §. XXXVII. Maßregeln gegen körperliche Verletzungen 291diesen in seinen Armen zum neuen Leben erwachen zu sehen. Zahl-reiche, glückliche Fälle, die auf diese Art, durch Mittheilung thie-rischer Warme bewirkt worden, lies't man in den Gedenkschriftender holländischen Gesellschaft zur Rettung Ertrunkener.)10) Der Aderlaß kann bey Behandlung der Ertrunkenen auchseine Anwendung finden; allein so wie es Fälle gibt, welche ihnanzeigen, so gibt es wieder andere, die seinen Gebrauch verbiethen;so zum Beyspiele wäre es verwegen, bey Körpern, welche vonKälte wie gefroren sind, und deren Glieder bereits zu erstarrenanfangen, ihn zu versuchen, da man selbe im Gegentheile durchdie angezeigten Mittel wieder zu erwärmen trachten muß, wo mandurch den Gebrauch des Aderlasses gerade die entgegengesetzte Wir-kung hervorbrächte. Allein, wenn eine Person kurz nachdem sieuntergegangen, aus dem Wasser gezogen würde, ihr Gesicht schwarz,blau, oder nur roth wäre, und man noch etwas weniges Wärmean ihr gewahr würde, wenn endlich ihre Glieder beugsam und ihreAugen glänzend und erhaben wären, so würde man sich nicht vordem Aderlasse fürchten. Der Aderlaß ist am wirksamsten, wennman eine Drosselader öffnet; denn dadurch wird das Gehirn,dessen Gefäße damahls vom Blute ausgedehnt sind, auf dem kür-zesten Wege entleeret. Auf diese Art sieht man bisweilen einePerson, sobald dieses Eingeweide von dem Drucke, welchen eserlitt, befreyet wird, sogleich wieder zum Leben kommen.11) So glücklich indessen der Erfolg von den Hülfsmitteln, diewir für Ertrunkene empfohlen haben, immer gewesen seyn mag,so werden sie dennoch ohne Wirkung seyn, wenn sie nicht in dergehörigen Ordnung, durch lange Zeit, und ununterbrochen ange-wendet werden; ihre Wirkungen äußern sich nur langsam und fastunmerklich, daher man sie dann nehrere Stunden lang fortsetzenmuß. Einige Ertrunkene wurden erst sieben bis acht Stundennachdem sie aus dem Wasser gezogen waren, wieder zum Lebengebracht. Wir bestehen desto eifriger auf diesem Punct, als manEur zu oft die Ertrunkenen, sobald die ersten Hülfsmittel ohneErfolg waren, ihrem traurigen Schicksale überläßt. Indessen würdeman es auch wieder auf der andern Seite versehen, wenn manhartnäckig darauf bestünde, diese Behandlung bey Ertrunkenen an-zuwenden, deren Tod schon durch die gewissesten Zeichen verkündigetwird; weil außer dem, daß hier alle Mittel nichts mehr helfen
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten