284I. Abschn. Verwaltende Polizey.muß man gleich in dem Augenblicke der Vermischung selbe mittelsteines Strickes in den Keller hinunter hängen, und dieß so tief,als man kann, ohne die enthaltene Flüssigkeit auszuschütten, wobeyman von Zeit zu Zeit, wo möglich, die Stelle ändert. Auch dasAusgießen von Wasser bewies sich bey mehreren in einem KellerErstickten sehr heilsam.2) Die Erfahrung hat bewiesen, daß der Gebrauch von Säurensehr gedeihlich war; man muß also den Erstickten, wenn es möglichist, Essig mit drey Theilen Wasser verdünnt, hinunter schluckenlassen: ferner ihm auch selben mit vielem kalten Wasser in Klystie-ren beybringen; das Reiben mit Essig war ebenfalls oft nützlichMan sah Personen, welche dadurch, daß sie sich den Kohlendünstenausgesetzt hatten, heftige Kopfschmerzen bekamen, allezeit durch denGebrauch des Essigs erleichtert; überhaupt wird Essig gegen alleschädliche zum Athmen untaugliche Luftarten mit Vortheil ange-wendet.3) Es ist eine üble Methode, die Erstickten, wie es mit denErtrunkenen geschieht, in Aschenbetten zu legen; man muß imGegentheil ihren Körper mit kaltem Wasser bespritzen. So ist auchdie Anwendung geistiger Flüssigkeiten den Unglücklichen, welcheStickluft eingeathmet haben, sehr nachtheilig.4) Wenn diese Hülfsmittel keine heilsame Wirkung hervorbringen, der Erstickte sich in einem schlafsüchtigen, betäubten Zustandebefindet, und also jenes Gemische aus Wasser und Essig nicht hin-unterschlucken kann: so muß man zu dem Aderlassen seine Zufluchtnehmen. Und zwar ist es besser anfangs am Fuße eine Ader zuöffnen, man muß dieß auch wiederhohlen, zumahl wenn jener schlaf-süchtige, betäubte Zustand fortwähren sollte; allein wäre selberäußerst groß, das Gesicht roth, die Lippen aufgeschwollen, undwürde dabey große Hitze auf der Haut verspüret, so müßte manohne Anstand noch eine Drosselader öffnen.5) Ein Mißbrauch, welchen man sehr oft begeht, ist das Ver-ordnen eines Brechmittels in diesem Falle; nichts vermag so sehrdas Blut zu Kopfe zu treiben, als das Erbrechen, und nur seltenkommen Erstickte, wenn man ein Brechmittel verordnet hat, wiederzum Leben.
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