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Zwei geographische Beschreibungen des Herzogtums Berg aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts
Entstehung
Seite
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122mit Graben, Mauren und Thürnen rings herumb versehen, undalso eine Vor=Maur Bergischen Landes, nach der Seithen, allwosie auff den Grentzen lieget, gewesen, selbige ist aber in dendreyssig=jährigen schweren Kriegen geschleifft worden. Der Magistratist Reformirter Religion, allhier haben die Reformirte die Haupt-Kirche; die Römisch=Catholische so wol als Evangelisch=Lutherische 18)haben allhier ihre Kirchen und Gottes=Dienst unbeschränckt. Indieser Stadt ist vorhin das Kotz=machen*) von Kuh=Haaren starckgetrieben worden, und hat man eine Ehle, so dem wüllen Lackennicht unähnlich gewesen, vor acht ad zehn Albus Cöllnisch kauffenkönnen; nunmehr aber werden allda viele feine Lacken, mehrentheilsvor die Haupt=Stadt Lennep, verfertiget. Bürgermeister, Richter,Rath und Gemeine seynd nicht hochmüthig, halten sich bürgerlich,ehrbar und mässig, und mehrentheils auffrichtig.Die weit und breit berühmte Stadt Elberfeld!?) ist einean dem Wupper=Fluß gelegene vortreffliche reiche Handels=Stadt,und kan deßfals ihrer zum theil durch die Welt führenderCommercien halber mit Fuge und Recht wol klein Amsterdammgenennet werden. Es gibt allhier auff die Commercien undHandlungen Welt=kluge, denen Holländern gleich gehende wohlbemittelte Kauffleuthe. Dieser Stadt haben Ihro Chur=Fürstl.Durchl. Herr Herr Johann Wilhelm, Höchst=seligster Gedächtnüs,die Jurisdiction in Criminal- und Civilibus, gleich denen BergischenHaupt=Städten, ertheilt.6) Der Magistrat bestehet in ReformirterReligion, ausser daß sie jederzeit einen Römisch=Catholischen mitdarzu einnehmen müssen. Allhier ist das schön=erbaute Rath=Hauß,22die Reformirte?!) herrlich = erbaute Kirch, das Armen=Hauß,worinnen die Armen gespeiset, gekleydet, unterhalten und zubettelen vor den Häuseren abgehalten werden, so wol als dieHandelungen und Bleichereyen, besehens würdig. Es ist auchallhier ein kleines Clöstergen23) und Kirche, so von zweyen Geist-lichen bedienet wird, vorhanden: die Evangelisch=Lutherische4) habenauch allhier ihre Kirche und GOttes=Dienst unbeschränckt.*) Die Kotze, der Kotzen, Kutzen bezeichnet ein grobes Kleid, einezottige Wollendecke, ein grobes Tuch, mittelhochdeutsch der kotz und kotze, ent-lehnt mit Lautverschiebung aus dem mittelalterlichen lateinischen cottus odercotta, das auch in den romanischen Sprachen (altfranz. la cote, spanischcota, ital. cotta) vorkommt, woraus ohne Lautverschiebung Kutte stammt.